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Die KI hat eine neue Stufe erreicht

Künstliche Intelligenz übernimmt eigenständig ganze Arbeitsschritte. Was sich wie Science-Fiction liest, ist bereits Realität. Es betrifft uns alle – Unternehmer und Berater.

Erstveröffentlichung: 22. Februar 2026

KI-Illustration einer virtuellen Beraterin in Büro mit Blick auf Mallorca

vor wenigen Tagen titelte das Handelsblatt: „Warum die KI gerade eine neue Stufe erreicht.“ Der Artikel beschreibt, wie sogenannte KI-Agenten – allen voran das Open-Source-Projekt Open Claw – erstmals eigenständig ganze Arbeitsschritte übernehmen. Nicht mehr nur Texte generieren, sondern selbstständig handeln: Software installieren, Fehler suchen, E-Mails versenden, Termine koordinieren. Die Maschine bekommt ein Ziel – und organisiert den Weg dorthin.  Was sich wie Science-Fiction liest, ist bereits Realität. Und es betrifft uns alle – als Unternehmer, als Berater, als Mandanten.

Vom Antwortgeber zum Aufgabenlöser

Der entscheidende Unterschied zu dem, was wir bisher von ChatGPT und Co. kennen, liegt in einem Wort: Handlungsfähigkeit. Bisherige KI-Systeme waren Werkzeuge, die auf Anweisungen warteten. Die neue Generation plant, entscheidet über Zwischenschritte und korrigiert sich selbst. Ein Agent kann Vertragsklauseln prüfen, Rückfragen formulieren, Dokumente anpassen und die finale Version verschicken – ohne dass ein Mensch jeden einzelnen Klick anstoßen muss.

Der KI-Chef von Qiagen beschreibt es treffend: Es werde ein neues Level an Autonomie erreicht, und die Grenze dessen, was wir an Maschinen delegieren können, verschiebe sich noch einmal deutlich. Der Informatikprofessor Stuart Russell von der UC Berkeley geht sogar noch weiter und prognostiziert vollständig automatisierte Unternehmen – ohne menschliche Führungskräfte, aber mit menschlichen Anteilseignern.

Nun muss man solche Thesen einordnen. Wir sind heute noch weit von vollständig autonomen Unternehmen entfernt. Aber die Richtung ist klar: KI wird nicht mehr nur gefragt. KI wird beauftragt.

Das Paradox der Produktivität

Was mich als Unternehmer besonders beschäftigt, ist eine Zahl aus dem Artikel: Laut einer PwC-Studie erzielen weltweit nur zwölf Prozent der Unternehmen durch KI messbare Erfolge. In Deutschland sind es sogar nur zwei Prozent. Das Problem, so die PwC-Deutschlandchefin, sei nicht die Technologie, sondern die Umsetzung. Viele Unternehmen verharrten im Pilotmodus, statt KI konsequent in ihre Prozesse zu integrieren.

Ich sehe das jeden Tag in unserer Branche. Während die Tech-Konzerne Hunderte Milliarden in Rechenzentren investieren – Alphabet plant allein für 2026 mit bis zu 185 Milliarden Dollar –, diskutieren viele Kanzleien und Beratungshäuser noch darüber, ob KI überhaupt relevant für sie ist. Das Ergebnis ist eine wachsende Kluft zwischen denen, die KI strategisch einsetzen, und denen, die zuschauen.

Warum wir mit dem Private Client Cockpit bewusst einen anderen Weg gehen

Open Claw ist beeindruckend. Keine Frage. Aber Open Claw ist auch – wie es im Artikel heißt – „einfach unlimitiert“. Und genau darin liegt das Risiko. Das System hat Zugriff auf alles: Dateien, Programme, Internet, Kommunikationsdienste. Sicherheitsforscher sprechen von einer tödlichen Dreifaltigkeit moderner KI-Agenten: Zugriff auf sensible Daten, Verarbeitung nicht vertrauenswürdiger Inhalte und die Fähigkeit zur externen Kommunikation. Auf jeder fünften KI-generierten Webseite fanden Sicherheitsexperten gravierende Sicherheitslücken.

Das ist das genaue Gegenteil von dem, was wir bei der PlattesGroup aufbauen. Unser WilliBot zum Private Client Cockpit – der KI-Assistent im Herzen unseres Private Client Cockpits – basiert auf einem RAG-System, also Retrieval-Augmented Generation. Das bedeutet im Klartext: WilliBot erfindet nichts. Er greift ausschließlich auf unsere eigene, kuratierte Wissensbasis Willi-pedia zu. Jede Antwort ist rückverfolgbar, jede Quelle transparent.

Während Open Claw wie ein „Geist, der vor dem Computer sitzt“ agiert – so formuliert es der Entwickler selbst –, ist WilliBot ein kontrollierter Fachberater. Er kennt spanisches Steuerrecht, Immobilienrecht, Erbschaftsplanung und grenzüberschreitende Strukturen. Aber er bucht keine Flüge, verschickt keine E-Mails und trifft keine eigenständigen Entscheidungen. Genau das ist der Punkt.

Guillaume Princen von Anthropic – dem Unternehmen hinter der KI Claude, auf deren Technologie auch unser System aufbaut – bringt es auf den Punkt: Man sei beim Thema Open Source sehr vorsichtig, wegen der gesamten Sicherheitsdimension von KI. Anthropic verfolgt stattdessen den Ansatz, KI-Agenten in kontrollierte, unternehmensspezifische Produkte einzubetten. Genau das tun auch wir.

Kontrolle ist keine Bremse – sie ist Voraussetzung

Ein Aspekt des Handelsblatt-Artikels verdient besondere Aufmerksamkeit: die rechtliche Dimension. Rechtsanwalt Alex Petrasincu von der Kanzlei Hausfeld stellt unmissverständlich klar, dass Unternehmen voll verantwortlich für das Handeln ihrer KI-Agenten seien – so als würden die Aufgaben von menschlichen Mitarbeitenden erledigt. Wenn ein KI-Agent Kartellrechtsverstöße begeht, wird das dem Unternehmen zugerechnet.

Dazu kommt Artikel 22 der DSGVO, der automatisierte Einzelentscheidungen über Personen strikt untersagt. KI-Agenten dürfen keine automatischen Vertragskündigungen aussprechen, keine Kreditwürdigkeit allein bewerten und kein Profiling betreiben.

Für uns in der grenzüberschreitenden Steuer- und Rechtsberatung bedeutet das: KI muss nicht nur technisch funktionieren. Sie muss rechtlich einwandfrei operieren. Jede Empfehlung unseres WilliBot ist deshalb so konzipiert, dass sie den Berater unterstützt – nicht ersetzt. Die finale Entscheidung, die Verantwortung, die Unterschrift: Das bleibt beim Menschen. Bei uns. Bei Ihrem Berater.

Die Berliner Lektion

Ein Beispiel aus dem Artikel zeigt, wie es richtig geht: Die Berliner Wagniskapitalfirma Lucid Capital hat Open Claw integriert, aber mit bewusst engen Grenzen. Ihr Agent „Olli“ läuft auf einem abgeschotteten Server und darf nur über das interne Slack-System auf begrenzte Daten zugreifen. Auf Bankkonten, Investorenunterlagen oder externe Kommunikation hat er keinen Zugriff. Der Gründer formuliert es so: Nicht, weil es technisch unmöglich wäre, sondern weil gute AI-Governance klare Grenzen braucht.

Das entspricht exakt unserer Philosophie. Gute KI-Governance ist kein Hindernis für Innovation – sie ist deren Fundament. Wer KI in der Beratung hochsensitiver Vermögens- und Steuerfragen einsetzt, muss jeden Zugriff, jede Datenquelle und jede Ausgabe kontrollieren können. Das ist keine Vorsicht aus Angst. Das ist Professionalität.

Der Mensch bleibt entscheidend

Das Handelsblatt schließt seinen Artikel mit einer Szene aus dem James-Bond-Film „Skyfall“. Der Technologieexperte Q erklärt Bond, die Zukunft gehöre der Software. Aber Bond behält ebenfalls recht: Am Ende muss ein Mensch entscheiden, ob der Abzug gedrückt wird oder nicht.

Diese Metapher trifft den Kern unserer Philosophie bei der PlattesGroup. Wir nutzen die leistungsfähigsten KI-Technologien, die verfügbar sind. Aber wir setzen sie ein wie ein präzises Instrument – nicht wie einen autonomen Agenten, der unkontrolliert im digitalen Raum operiert. Nähe statt Sichtbarkeit, Substanz statt digitaler Effizienz – das gilt auch und gerade im Zeitalter der KI-Agenten.

Die KI hat tatsächlich eine neue Stufe erreicht. Die Frage ist nicht, ob wir diese Technologie nutzen – sondern wie. Und diese Frage beantworten wir bei der PlattesGroup jeden Tag: kontrolliert, transparent und immer im Interesse unserer Mandanten.

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