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Rückwärts in die Zukunft

Und wer zahlt am Ende die Rechnung?

Erstveröffentlichung: 29. März 2026

KI-Illustration rückwärtslaufender deutscher Adler

Moritz Schularick, einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen, hat vor wenigen Tagen in der NZZ einen Satz gesagt, der mich nicht loslässt: „Wir laufen rückwärts in die Zukunft.“ Er meint Deutschland. Ich sitze auf Mallorca und frage mich: Stimmt das? Und wenn ja, was bedeutet das für die Menschen, die ich jeden Tag berate?

Das Bild, das mich verfolgt

Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf der Autobahn – aber im Rückwärtsgang. Sie sehen im Rückspiegel, wohin Sie kommen. Sie kennen die Vergangenheit in atemberaubender Schärfe. Aber wohin Sie fahren? Keine Ahnung. Das ist Schularicks Bild. Und es sitzt.

Er beschreibt eine politische Klasse, die über Bewahren spricht, während die Welt sich neu erfindet. Stahl, Chemie, Verbrenner – man liebt sie noch. Man schützt sie noch. Man subventioniert sie noch. Aber man weiß – und das ist das Eigentliche – tief im Innern, dass sie nicht die Wachstumstreiber der nächsten Dekade sein werden.

Das Schweigen darüber ist lauter als jede Wahlkampfrede.

Was ich täglich sehe

Ich berate vermögende Familien, Unternehmer, Menschen, die ihr Leben zwischen zwei oder drei Ländern eingerichtet haben – oft mit einem Bein noch in Deutschland, dem anderen in Spanien, und dem Kopf irgendwo zwischen Steuerrecht, Erbschaft und der Frage: Wo soll mein Vermögen morgen noch sicher sein?

Diese Menschen spüren das rückwärtsgewandte Denken nicht in Schularicks Forschungspapieren. Sie spüren es bei der Steuer- und Bürokratiebelastung, die weiter steigt. In der Erbschaftsteuerreform, die alle paar Jahre droht und nie kommt – oder plötzlich doch. In einem Staat, der immer teurer wird, aber immer weniger liefert.

Ich frage mich manchmal, ob wir gerade das stille Kapitel erleben, das Historiker in zwanzig Jahren das „große Zögern“ nennen werden. Eine Zeit, in der alle die Zeichen sahen – und trotzdem warteten.

Das Billion-Euro-Paradox

Schularick hat politisch mitgeholfen, das größte Schuldenpaket der deutschen Nachkriegsgeschichte zu schnüren – annähernd eine Billion Euro für Infrastruktur und Verteidigung. Eine mutige Idee. Eine notwendige Idee. Und trotzdem sitzt er jetzt enttäuscht in seinem Büro.

Warum? Weil Geld allein kein Umdenken kauft. Weil im gleichen Atemzug die Mütterrente erhöht und die Mehrwertsteuer für Restaurants gesenkt wurde. Weil das politische System reflexartig zurückgreift auf das Vertraute – selbst dann, wenn es das Neue zu wählen vorgibt.

Man kann das Grundgesetz ändern und trotzdem rückwärts fahren.

Europa als Wette auf Morgen

Schularicks Hoffnung liegt in einem „Team Europa“ – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Skandinavier – als Koalition der Entschlossenen in Sicherheit und Technologie. Ich teile diese Hoffnung, aber ich ergänze sie.

Ein starkes Europa ist nicht nur eine sicherheitspolitische Notwendigkeit. Es ist das einzige Modell, das vermögenden Familien und Unternehmern langfristig Stabilität bietet – rechtlich, fiskalisch, generationell. Wer heute Vermögen strukturiert, denkt in Jahrzehnten. Und in Jahrzehnten gedacht braucht Europa eine gemeinsame Stimme, ein gemeinsames Recht, eine gemeinsame Zukunft.

Ich frage mich, ob die Politiker, die über Schuldenbremsen und Wahlgeschenke streiten, das wirklich sehen. Schularick sieht es. Meine Mandanten spüren es. Der Rest – schweigt noch.

Was mich früh am Sonntagmorgen antreibt

Ich schreibe diese Zeilen früh am Sonntag. Draußen ist Mallorca noch still. Und ich denke an all die Familien, die ich berate – die sich fragen, ob das Vermögen, das sie aufgebaut haben, in zehn Jahren noch dort ist, wo sie es hingestellt haben. Ob das Haus auf Mallorca noch steuerlich klug ist. Ob das Erbe noch ankommt.

Diese Fragen sind nicht abstrakt. Sie sind sehr, sehr konkret. Und sie verlangen Antworten von Menschen, die nach vorne schauen – nicht zurück.

Schularick hat recht: Deutschland läuft noch rückwärts. Aber es gibt Menschen, die sich umdrehen. In der Wirtschaft. In der Forschung. In den Beratungsbüros zwischen Hamburg, München und Mallorca.

Rückwärts ist eine Richtung, keine Bestimmung.

Für deutsche Unternehmer stellen sich handfeste wirtschaftspolitische Fragen: Wo entstehen künftig noch stabile Investitionsstandorte? Wer investiert in deutsche Unternehmen? Wohin expandieren deutsche Firmen in einer Welt wachsender geopolitischer Risiken? Und nicht zuletzt: Kann dem Standort Deutschland trotz allem ein wirtschaftlicher Turnaround gelingen? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren wir bei unserem 9. Wirtschaftsforum NEU DENKEN Antworten: Seien Sie dabei vom 28. bis 30. Mai 2026 auf Mallorca.

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