Steuerkontrollbilanz 2025: Große Vermögen, "falsche Nichtresidenten" und Auslandskonten im Blick
Erstveröffentlichung: 12. Juli 2026
Die spanische Steuerbehörde Agencia Tributaria hat im vergangenen Jahr insgesamt 22,7 Milliarden Euro durch Kontroll- und Präventionsmaßnahmen erzielt, die immer stärker auf Datenanalyse, Automatisierung und internationale Vernetzung setzen. Das entspricht einem Anstieg von gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen stammen aus der jährlichen Bilanz der Behörde zur Prävention und Bekämpfung von Steuerbetrug, die am 2. Juli veröffentlicht wurde.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe der festgesetzten Beträge. Der Bericht zeigt vor allem, wie stark sich die spanische Steuerverwaltung weiterentwickelt hat: Kontrollen laufen zunehmend datenbasiert, automatisiert und international vernetzt ab. Zugleich hat die Veröffentlichung selbst eine erkennbare Präventionswirkung. Sie macht deutlich, in welchen Bereichen Steuerpflichtige künftig mit besonderer Aufmerksamkeit rechnen müssen.
Große Vermögen und komplexe Strukturen im Blick
Ein besonderer Schwerpunkt lag 2025 erneut auf großen Vermögen. Dabei prüfte die Steuerbehörde nicht nur einzelne Steuerpflichtige, sondern auch deren familiäres, gesellschaftsrechtliches und wirtschaftliches Umfeld.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, nach Einschätzung der Behörde opake Gesellschaftsstrukturen aufzudecken. Im Mittelpunkt stehen Konstellationen, bei denen die tatsächliche Inhaberschaft von Einkünften oder Vermögenswerten verschleiert werden könnte oder steuerliche Pflichten umgangen werden.
Nach Angaben der Agencia Tributaria wurden in diesem Bereich in mehr als 1.300 Verfahren insgesamt 547 Millionen Euro an Steuerschulden festgesetzt. Das entspricht einem Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gerade für vermögende Privatpersonen, Unternehmerfamilien und international strukturierte Vermögen zeigt sich damit erneut: Entscheidend ist nicht allein, ob einzelne Einkünfte korrekt erklärt wurden. Ebenso wichtig ist die vollständige Nachvollziehbarkeit der dahinterstehenden Vermögens-, Beteiligungs- und Entscheidungsstrukturen.
Ansässigkeit: „Falsche Nichtresidenten“ als Kontrollfeld
Ausdrücklich verweist die Steuerbehörde auf ein System zur Erkennung sogenannter „falscher Nichtresidenten“ mit erheblichem Vermögen.
Im Jahr 2025 trug dieses Instrument dazu bei, bei 145 Steuerpflichtigen insgesamt 68 Millionen Euro festzusetzen. Nach Einschätzung der Behörde waren diese Personen formal in anderen Staaten ansässig, hatten ihre tatsächliche steuerliche Ansässigkeit jedoch in Spanien.
Dieses Thema bleibt besonders relevant für Personen mit Wohnsitzen, Immobilien, wirtschaftlichen Interessen oder familiären Bindungen in mehreren Ländern. Die steuerliche Ansässigkeit wird nicht allein durch eine formale Anmeldung im Ausland bestimmt. Entscheidend ist regelmäßig eine Gesamtbetrachtung der tatsächlichen Lebensumstände, wirtschaftlichen Interessen und persönlichen Bindungen.
Vermietung von Immobilien: automatisierte Hinweise zeigen Wirkung
Auch die Vermietung von Immobilien gehört weiterhin zu den zentralen Kontrollfeldern der spanischen Steuerbehörde. In diesem Bereich setzt die Agencia Tributaria verstärkt auf automatisierte Informations- und Warnmeldungen in den Steuerdaten der Steuerpflichtigen.
Diese Hinweise erscheinen insbesondere dann, wenn der Behörde Informationen über Immobilien vorliegen, die auf mögliche Einkünfte aus Vermietung oder andere steuerlich relevante Immobilieneinkünfte hindeuten.
Nach Angaben der Steuerbehörde führte diese Strategie in den vergangenen zehn Jahren zu knapp 1,5 Millionen zusätzlichen Erklärungen mit Immobilienkapitaleinkünften. Daraus ergab sich eine zusätzliche Steuererhebung von 1,22 Milliarden Euro.
Für Immobilieneigentümer in Spanien ist dies ein deutlicher Hinweis: Die Finanzverwaltung verfügt zunehmend über Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Immobilienbesitz, Nutzung, Vermietung und damit verbundene Einkünfte werden immer stärker miteinander abgeglichen.
Mehr als zwei Millionen Kontrollmaßnahmen
Insgesamt nahm die Agencia Tributaria im Jahr 2025 mehr als zwei Millionen Kontrollmaßnahmen im Bereich der spanischen Binnensteuern vor. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 1,1 Prozent.
Davon entfielen mehr als 52.000 Maßnahmen auf besonders komplexe Sachverhalte. Dazu zählen unter anderem große Unternehmen, große Vermögen, missbräuchliche Gesellschaftsstrukturen und Maßnahmen gegen die Schattenwirtschaft. In diesem Segment stieg die Zahl der Kontrollen um 12,7 Prozent.
Die Zahlen zeigen, dass die Behörde nicht nur in der Breite aktiv ist, sondern ihre Ressourcen gezielt auf komplexe und ertragreiche Prüfungsfelder konzentriert. Gerade internationale Sachverhalte, mehrstufige Beteiligungsstrukturen und grenzüberschreitende Einkünfte geraten dadurch stärker in den Fokus.
Gesellschaften zur Reduzierung der Einkommensteuer
Ein eigener Schwerpunkt betrifft Gesellschaften, die nach Auffassung der Steuerprüfer genutzt werden, um die persönliche Einkommensteuer zu reduzieren oder private Kosten über eine Gesellschaft abzurechnen.
Die Agencia Tributaria nennt ausdrücklich Fälle, in denen professionelle Leistungen über eine Gesellschaft fakturiert werden, obwohl diese wirtschaftlich einer natürlichen Person zuzurechnen sein könnten. Ebenso verweist sie auf private Aufwendungen wie Wohnung, Fahrzeuge oder sonstige persönliche Dienstleistungen, die in der Gesellschaft verbucht werden.
Im Jahr 2025 wurden hierzu knapp 5.400 Prüfungsmaßnahmen durchgeführt. Das entspricht einem Anstieg von 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Kürzung steuerlicher Verlustvorträge und Abzüge
Neben unmittelbaren Steuerfestsetzungen kürzte die Agencia Tributaria im vergangenen Jahr auch unzutreffend geltend gemachte negative Bemessungsgrundlagen, noch nicht angewendete Abzüge sowie ausgleichbare Steuerbeträge.
Das Volumen dieser Korrekturen belief sich auf insgesamt 6,331 Milliarden Euro.
Diese Maßnahmen sind nicht nur für das jeweilige Prüfungsjahr relevant. Sie können sich auch auf künftige Steuerperioden auswirken, weil sich dadurch die steuerliche Bemessungsgrundlage der Folgejahre erhöht. Für Unternehmen kann dies erhebliche Liquiditäts- und Planungseffekte haben.
Schattenwirtschaft: Deutlich intensivere Kontrollen
Im Kampf gegen die Schattenwirtschaft hat die Agencia Tributaria ihre Maßnahmen im Jahr 2025 deutlich ausgeweitet. Bei der Aufdeckung verdeckter Umsätze stieg die Zahl der Kontrollen um 37 Prozent. Die daraus resultierenden Nachversteuerungen beliefen sich auf 439 Millionen Euro.
Die Steuerbehörde verfolgt damit weiterhin das Ziel, nicht erklärte Umsätze, verdeckte Einnahmen und unvollständige Buchhaltungsunterlagen aufzudecken. Besonders relevant ist dies für Branchen und Tätigkeiten, in denen Barzahlungen, unvollständige Rechnungsstellung oder informelle Leistungsbeziehungen eine Rolle spielen können.
IT-Audit und digitale Beweissicherung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Prüfungen mit Unterstützung der Einheiten für IT-Audit, der sogenannten UAI. Die Unidades de Auditoría Informática (UAI) sind hochspezialisierte IT-Prüfungseinheiten der AEAT. Sie agieren als digitale Speerspitze der Steuerfahndung und unterstützen die klassischen Betriebsprüfer direkt vor Ort, um Steuerhinterziehung in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft aufzudecken. Wenn die Steuerbehörde den begründeten Verdacht auf Steuerhinterziehung oder verdeckte Gewinne hat, rücken die UAIs oft im Rahmen unangekündigter Durchsuchungen an. Sie sichern Beweise, spiegeln Daten von Servern und rekonstruieren auch gelöschte Buchhaltungsdaten.
Bei Steuerpflichtigen, bei denen Vor-Ort-Prüfungen und Durchsuchungsmaßnahmen mit Unterstützung dieser Einheiten durchgeführt wurden, setzte die Behörde Steuern und Sanktionen in Höhe von 218 Millionen Euro fest. Das entspricht einem Anstieg von 56 Prozent.
Betroffen waren 1.621 Steuerpflichtige, knapp 9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Nach Angaben der Agencia Tributaria erleichtern diese IT-gestützten Maßnahmen die Aufdeckung nicht erklärter Einkünfte, verbessern die Beweislage und verkürzen die Dauer von Prüfungsverfahren.
Für Unternehmen bedeutet dies: Digitale Buchhaltung, elektronische Rechnungen, Kassensysteme, E-Mail-Kommunikation, Zahlungsdaten und interne Dokumentationen werden in steuerlichen Prüfungen immer wichtiger. Steuerliche Compliance ist damit längst nicht mehr nur eine Frage der Steuererklärung, sondern auch der Datenqualität und der internen Prozesse.
Unregelmäßige Rechnungsstellung bleibt ein Risikofaktor
Auch die Erkennung unregelmäßiger Rechnungsstellung bleibt ein zentraler Baustein im Kampf gegen Steuerbetrug und unlauteren Wettbewerb.
Im Jahr 2025 wurden in diesem Bereich Verfahren gegen 1.330 Steuerpflichtige abgeschlossen. Die festgesetzten Beträge erreichten 296 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 35,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Behörde nimmt damit weiterhin Fälle in den Blick, in denen Rechnungen möglicherweise nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Vorgängen entsprechen, Leistungen falsch zugeordnet oder steuerlich relevante Sachverhalte unzutreffend dokumentiert wurden.
Auslandskonten und internationale Finanzinformationen
Ein weiteres wichtiges Kontrollfeld ist die Auswertung internationaler Finanzinformationen. Auslandskonten und Einkünfte aus anderen Staaten sind für die spanische Steuerverwaltung faktisch immer weniger „unsichtbar“.
Über die europäische DAC2-Richtlinie, den OECD-Standard CRS und das FATCA-Abkommen mit den USA erhält die Agencia Tributaria umfangreiche Informationen über Finanzkonten im Ausland.
Auf dieser Grundlage wurden im Jahr 2025 gegenüber gut 800 Steuerpflichtigen insgesamt 261 Millionen Euro festgesetzt.
Für Steuerpflichtige mit internationalem Bezug ist dies ein entscheidender Punkt. Bankkonten, Kapitalerträge, Beteiligungen und Einkünfte im Ausland sollten vollständig in die steuerliche Gesamtbetrachtung einbezogen werden. Die Zeiten, in denen Auslandsinformationen nur schwer zugänglich waren, sind weitgehend vorbei.
Kryptowährungen und Neobanken
Auch Kryptowährungen und digitale Finanzdienstleister geraten stärker in den Fokus. Nach Angaben der Steuerbehörde wurden Informationen von 34 Einrichtungen ausgewertet. Diese betrafen mehr als 40.600 Bankkonten sowie mehr als 43.000 identifizierte Inhaber oder Bevollmächtigte.
Bei Neobanken fordert die Agencia Tributaria Informationen über virtuelle Konten, Zahlungskonten, Kontoinhaber, Bevollmächtigte sowie kumulierte Belastungen und Gutschriften.
Damit wird deutlich: Auch neue Formen der Vermögensverwaltung und digitale Zahlungsstrukturen werden zunehmend in steuerliche Kontrollsysteme integriert. Kryptowährungen, virtuelle Konten und internationale Zahlungsdienstleister sind kein rechtsfreier oder unsichtbarer Raum.
Körperschaftsteuer: Spezialisierte Teams mit wachsender Wirkung
Im Bereich der laufenden steuerlichen Überprüfung wirtschaftlicher Tätigkeiten hebt die Agencia Tributaria besonders die Entwicklung bei der Körperschaftsteuer hervor.
Durch spezialisierte regionale Teams konnten nach Angaben der Behörde mehr Unregelmäßigkeiten festgestellt und korrigiert werden. Die Zahl der Maßnahmen stieg im Jahr 2025 um 13,6 Prozent; innerhalb von zwei Jahren sogar um 29,3 Prozent.
Auch die festgesetzten Beträge nahmen zu. Im Jahresvergleich erhöhten sie sich um 7,9 Prozent, innerhalb von zwei Jahren um 32,8 Prozent.
Für Unternehmen zeigt sich damit: Die Körperschaftsteuer bleibt ein wesentliches Prüfungsfeld. Besonders relevant sind eine konsistente Buchhaltung, nachvollziehbare Verrechnungsvorgänge, dokumentierte Leistungsbeziehungen, korrekte Abgrenzungen und eine klare Trennung zwischen gesellschaftlicher und privater Sphäre.
Dokumentation wird zum zentralen Schutzfaktor
Der Bericht der spanischen Steuerbehörde macht deutlich: Steuerliche Kontrolle in Spanien wird datenbasierter, internationaler und präziser.
Besonders betroffen sind Steuerpflichtige mit internationalem Bezug, komplexen Vermögensstrukturen, Immobilienbesitz, wirtschaftlicher Tätigkeit in Spanien oder digitalen Finanzbeziehungen.
Entscheidend ist nicht nur, ob einzelne Einkünfte korrekt erklärt wurden. Ebenso wichtig ist, dass die gesamte Struktur nachvollziehbar, konsistent und belastbar dokumentiert ist. Dazu gehören unter anderem:
- steuerliche Ansässigkeit,
- Immobiliennutzung und Vermietung,
- Gesellschaftsstrukturen,
- Leistungsbeziehungen zwischen Personen und Unternehmen,
- Auslandskonten,
- Kapitalerträge,
- Kryptowährungen,
- Verlustvorträge und steuerliche Abzüge,
- Rechnungsstellung und Buchhaltungsunterlagen.
Für Unternehmen, Unternehmerfamilien und vermögende Privatpersonen mit Bezug zu Spanien bedeutet dies: Steuerliche Erklärungen, Immobilientransaktionen, Gesellschaftsstrukturen und internationale Vermögenspositionen sollten nicht isoliert betrachtet werden. Erforderlich ist eine sorgfältige Prüfung des Gesamtbildes.
Die spanische Steuerverwaltung zeigt mit ihrer Bilanz für 2025 sehr deutlich, wohin die Entwicklung geht: mehr Daten, mehr internationale Zusammenarbeit, mehr Spezialisierung und ein wachsender Fokus auf Plausibilität und Nachweisbarkeit.