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Wenn das Spiel schwieriger wird

Warum Europa jetzt Zuversicht braucht ...

Erstveröffentlichung: 14. Juni 2026

Fußball ist ein einfaches Spiel – 22 Männer laufen 90 Minuten einem Ball hinterher und am Ende gewinnen immer die Deutschen.

Dieses berühmte Zitat, das dem früheren englischen Nationalspieler Gary Lineker zugeschrieben wird, war lange mehr als nur ein humorvoller Satz über Fußball. Es war Ausdruck einer Haltung, die man gerade bei großen Turnieren mit Deutschland verbunden hat: Nicht jedes erste Spiel war glänzend, nicht jede Vorrunde souverän, aber häufig entstand genau dann eine besondere Kraft, wenn der Druck größer wurde, wenn ein Turnier schwer wurde und wenn nicht mehr Euphorie und Motivation, sondern Vorbereitung, Zusammenhalt und Zuversicht entscheidend waren.

Genau dieses Bild der Zuversicht hat uns bei unserem Wirtschaftsforum NEU DENKEN Ende Mai begleitet – viele der mehr als 40 Referenten nahmen den Begriff auf und setzten ihn in ihren Beiträgen auf der Bühne um. Denn auch Deutschland, Europa, die ganze Welt befindet sich in einer Phase, in der das Spiel schwieriger geworden ist. Die Stimmung ist angespannt, viele Debatten kreisen um Krisen, Überforderung und Vertrauensverlust.

Wie mies diese Stimmung wahrgenommen wird, wurde jetzt auch noch einmal bei einer Debatte im deutschen Fernsehen und dem folgenden Medienecho deutlich. Wie die politische Stimmung in Deutschland sei, wurde die Schriftstellerin Juli Zeh bei "Markus Lanz" gefragt. "Alles scheiße", lautete die Antwort. "Stimmungsmäßig dachte ich, wir wären an einem Tiefpunkt. Aber dann stellt man fest: Es gibt immer noch ein paar Etagen drunter." Die Debatte hat auf zugespitzte Weise sichtbar gemacht, was derzeit viele in Deutschland empfinden: Frust, Erschöpfung und das Gefühl, dass vieles nicht mehr funktioniert oder nicht schnell genug besser wird.

Aber gerade deshalb war die 9. Ausgabe von NEU DENKEN für uns ein wichtiger Gegenentwurf zu dieser Stimmung. Nicht, weil Probleme ausgeblendet oder schöngeredet werden sollen, sondern weil es einen Unterschied macht, ob man bei der Problembeschreibung stehen bleibt oder ob man vielmehr aus Analyse, Widerspruch und Erfahrung neue Handlungsoptionen entwickelt.

Unser Motto lautete: Zuversicht. Nicht als naive Hoffnung und nicht als Ausweichen vor der Realität, sondern als professionelle Haltung in schwierigen Zeiten. Zuversicht bedeutet nicht, dass jedes Spiel leicht wird. Sie bedeutet, an die eigene Stärke zu glauben, auch wenn der Start holprig ist, im Verlauf des Wettbewerbs dazuzulernen, Chancen zu nutzen und gerade dann klarer zu werden, wenn der Druck steigt.

Die Antwort kann nicht darin bestehen, das Negative zu ignorieren. Aber sie darf auch nicht darin bestehen, die schlechte Stimmung immer weiter zu verstärken. Wer nur beschreibt, warum alles schwierig ist, verändert noch nichts. Wer aber bereit ist, genauer hinzusehen, Widerspruch auszuhalten und aus Erkenntnissen konkrete Schritte abzuleiten, kann aus einer schwierigen Phase neue Stärke entwickeln – diese also gewissermaßen als Challenge betrachten, die zusätzliche Kräfte mobilisiert.

Vielleicht ist genau das die Aufgabe Europas: nicht alte Gewissheiten zu verteidigen, sondern neue Stärken zu erkennen; nicht nervöser zu werden, wenn das Spiel schwieriger wird, sondern klarer, konstruktiver und entschlossener.

Eine Mannschaft wird nicht stark, weil jedes Spiel einfach ist. Sie wird stark, weil sie vorbereitet ist, zusammenhält, aus schwierigen Phasen lernt und im entscheidenden Moment den nächsten Schritt macht.

Und diese Haltung, die wir aus NEU DENKEN mitnehmen, sie gilt innerhalb wie außerhalb des Fußballstadions.

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