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„Wachstum entsteht nicht durch Strohfeuer, sondern durch mutige Reformen“

ifo-Präsident Clemens Fuest über wirtschaftliche Stagnation, unterschätzte Chancen Europas und warum Bürokratieabbau zum Wachstumsmotor werden kann – live vom Event „Familienvermögen in Krisenzeiten“.

Die Weltwirtschaft steht unter Druck: Geopolitische Krisen, zunehmende Regulierung, Energiefragen und strukturelle Schwächen stellen Unternehmer, Unternehmerfamilien und Family Offices vor neue Herausforderungen. Doch wo liegen die echten Risiken – und wo die oft übersehenen Chancen?

In dieser Folge unseres Willi-pedia-Podcasts spricht Podcast-Produzentin Timothea Imionidou in der Motorworld Mallorca mit einem der profiliertesten Wirtschaftsexperten Europas: Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.

Im Gespräch ordnet Fuest die wirtschaftliche Lage Deutschlands und Europas ein. Er erklärt, warum die deutsche Wirtschaft seit Jahren stagniert, welche Rolle Bürokratie, Steuerlast und Regulierung spielen – und weshalb kurzfristige schuldenfinanzierte Impulse kein nachhaltiges Wachstum erzeugen. Gleichzeitig zeigt er auf, wo echte Potenziale liegen: im europäischen Binnenmarkt, in strukturellen Reformen, in Innovation und in unternehmerischer Anpassungsfähigkeit.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, was politisch besser nicht passieren sollte – etwa staatliche Preisinterventionen oder Überregulierung – und welche Länder als Vorbild für erfolgreichen Bürokratieabbau dienen können.

Die Folge bietet fundierte wirtschaftliche Einordnung, klare Worte und realistischen Optimismus – eingebettet in die Diskussionen des PlattesGroup-Events „Familienvermögen in Krisenzeiten“. 

Ein Podcast für alle, die unternehmerische Entscheidungen im aktuellen Umfeld besser verstehen und einordnen wollen.

 

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03. Februar 2026

Timothea Imionidou
Heute senden wir ausnahmsweise nicht aus unserem Studio im Office der PlattesGroup, sondern aus der Motorworld – von unserem Event Familienvermögen in Krisenzeiten.
Wir haben heute viele hochkarätige Referenten gehört. Die Welt ist im Wandel: Globale Mobilität, geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Umbrüche und zunehmende Regulierung stellen Unternehmerfamilien und Family Offices vor große Herausforderungen. Genau darüber sprechen wir heute mit einem der renommiertesten Wirtschaftsexperten Europas. Ich freue mich sehr, ihn bei mir begrüßen zu dürfen.

Timothea Imionidou
Professor Dr. Dr. Clemens Fuest, hallo.

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Ich grüße Sie. Ich freue mich, hier zu sein.

Timothea Imionidou
Sie sind Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Herzlich willkommen in meinem Podcast und natürlich auch hier bei unserem Event. Schön, dass Sie da sind, Herr Professor Fuest.
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit wirtschaftlicher Stabilität, Standortfragen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Wenn Sie die wirtschaftliche Lage in Deutschland und Europa in wenigen Sätzen einordnen müssten:
Was ist das zentrale Problem – und was ist die größte unterschätzte Chance?

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Das zentrale Problem ist, dass die deutsche Wirtschaft seit rund sechs Jahren stagniert. Es ist uns nicht gelungen, zu dauerhaftem Wachstum zurückzukehren. Bis 2019 hatten wir eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Dann kam die Corona-Pandemie mit einem massiven Einbruch. Davon haben wir uns zunächst erholt, aber anschließend ist das Wachstum erneut ausgeblieben. Es gab externe Schocks: den russischen Angriff auf die Ukraine, das Ende der russischen Gaslieferungen nach Deutschland und Europa, was vor allem die energieintensive Industrie getroffen hat. Hinzu kommen zunehmender Protektionismus und der Aufstieg Chinas, der zusätzlichen Wettbewerbsdruck erzeugt.
Gleichzeitig haben wir viele hausgemachte Probleme: eine sehr hohe Steuerlast, immer mehr Regulierung und Bürokratie, die die Wirtschaft lähmen. Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union, deshalb strahlt diese Entwicklung auf ganz Europa aus.
Zum Glück läuft es in einigen anderen europäischen Ländern derzeit etwas besser. Trotzdem kann man damit nicht zufrieden sein. Ich sehe durchaus Chancen – insbesondere darin, Europa wieder neu zu entdecken.
Ein zentrales Beispiel ist der europäische Binnenmarkt. Er ist gewissermaßen der Ursprung der Europäischen Union, ist aber in den letzten Jahren etwas aus dem Blick geraten. Die EU hat sich stark auf Regulierung konzentriert, dabei müssten wir die Wachstumspotenziale des Binnenmarktes wieder stärker nutzen, ihn weiter ausbauen und vertiefen.
Daran können weder Donald Trump noch Wladimir Putin etwas ändern. Europa kann zu wirtschaftlicher Stärke zurückkehren – etwa durch eine bessere Nutzung des Binnenmarktes und durch mehr Handelsabkommen mit Drittländern. Ein wenig passiert das bereits, etwa mit Mercosur oder Indien, auch wenn es Blockaden im Europäischen Parlament gibt. Es gibt also durchaus Chancen.

Timothea Imionidou
Was muss in Deutschland konkret passieren, damit Wachstum zurückkehren kann? Wenn Sie Reformen nennen müssten, die wirklich einen Unterschied machen – welche wären das?

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Die Politik ist derzeit stark darauf konzentriert, Schulden zu machen und Geld in die Wirtschaft zu geben. Das kann kurzfristig Wachstum erzeugen, ist aber oft nur ein Strohfeuer. Wenn das Geld tatsächlich in Infrastruktur investiert würde, hätte das auch mittelfristigen Nutzen. Leider fließt ein erheblicher Teil in Konsum.
Was wir wirklich brauchen, sind grundlegende Reformen, die drei Dinge erreichen: Erstens: Es muss attraktiver werden, mehr zu arbeiten und mehr zu leisten.
Zweitens: Es muss attraktiver werden, in Deutschland zu investieren – sowohl in Wohnungen als auch in Fabriken.
Drittens: Es muss attraktiver werden, Innovationen voranzutreiben, neue Technologien einzuführen und neue Unternehmen zu gründen.
Bestehende Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln, häufig auch in Zusammenarbeit mit Universitäten und Start-ups, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Wenn wir diese drei Punkte angehen, können wir auch wieder zu Wachstum zurückkehren.

Timothea Imionidou
Gerade Innovation gilt ja eigentlich als Stärke der deutschen Wirtschaft.

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Eigentlich ja. Aber wenn man die letzten 20 Jahre betrachtet, sieht man, dass wir unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung stark auf Branchen konzentriert haben, die nicht besonders dynamisch wachsen: Automobilindustrie, Maschinenbau, Teile der chemischen Industrie.
Gerade die Automobilindustrie dominiert stark. Dort entstehen viele Innovationen, aber meist inkrementelle – eine effizientere Bremse, ein sparsamerer Motor. Die wirklich großen Sprünge kamen jedoch aus den USA oder aus China: Elektroautos, neue IT-Architekturen in Fahrzeugen. Diese Entwicklungen hätten eigentlich aus Deutschland kommen müssen, sind es aber nicht.
Wir haben uns zu sehr auf die Verfeinerung bestehender Technologien konzentriert und zu wenig auf echte Sprunginnovationen. Ganz zu schweigen von Digitalisierung, Software oder Halbleiterentwicklung – dort spielen wir kaum eine Rolle.

Timothea Imionidou
Umgekehrt gefragt: Was sollte unter keinen Umständen passieren, weil es Wachstum nachhaltig schädigen würde?

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Wir neigen in Deutschland zunehmend dazu, immer stärker in die Wirtschaft einzugreifen und Symptombekämpfung zu betreiben. Ein Beispiel sind Mietpreisbremsen oder der Berliner Mietendeckel.
Diese Maßnahmen sind zwar gut gemeint, weil Wohnen teuer geworden ist, wirken aber kontraproduktiv. Sie führen dazu, dass weniger Wohnungen gebaut werden, dass Menschen größere Wohnungen behalten, obwohl sie sie nicht mehr brauchen, und dass Vermieter Wohnungen vom Markt nehmen oder verkaufen.
Das verschärft das Problem, statt es zu lösen. Ähnliche Effekte sehen wir bei staatlicher Preissteuerung und Investitionslenkung. Solche Eingriffe verschlimmern langfristig die Situation.

Timothea Imionidou
Bürokratieabbau wird seit Jahren gefordert. Ganz praktisch gefragt: Welche wirtschaftliche Wirkung hätte echter Bürokratieabbau – und wo würde man ihn am schnellsten spüren?

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Bürokratieabbau bedeutet, dass Menschen, die heute mit überflüssigen Verwaltungsaufgaben beschäftigt sind, wieder produktivere Tätigkeiten ausüben können.
Wir haben am ifo Institut untersucht, wie andere Länder Bürokratieabbau umgesetzt haben. Dabei zeigt sich: Erfolgreicher Bürokratieabbau bedeutet, staatliche Tätigkeiten grundsätzlich zu hinterfragen – nicht nur Berichtswege zu verändern, sondern sie im Zweifel ganz abzuschaffen.
Wenn Deutschland vergleichbare Reformen umsetzen würde, könnte die Wirtschaft langfristig um rund vier Prozent wachsen. Das würde sich über etwa acht Jahre verteilen, also rund 0,5 Prozentpunkte zusätzliches Wachstum pro Jahr – allein durch Bürokratieabbau.
Natürlich muss man dafür akzeptieren, dass nicht alles bis ins letzte Detail geregelt wird. Aber man kann vieles intelligenter regeln.
Ein Beispiel ist das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Idee, Kinderarbeit zu verhindern, ist richtig und unumstritten. Aber es ist ineffizient, von jedem Unternehmen detaillierte Berichte zu verlangen – auch dann, wenn es keinerlei Verdachtsmomente gibt.
Sinnvoller wäre: klare Regeln, Stichprobenkontrollen und harte Strafen bei Verstößen. Statt alle unter Generalverdacht zu stellen, sollte man gezielt kontrollieren. Alles andere bindet Ressourcen, ohne zusätzlichen Nutzen.

Timothea Imionidou
Welche Länder könnten hier als Vorbild dienen? Skandinavien?

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Ja, zum Beispiel Schweden. Dort gab es in den frühen 1990er-Jahren einen überdimensionierten öffentlichen Sektor und massive Regulierungen. Das Land geriet in eine schwere Krise, hat reagiert und konsequent Bürokratie abgebaut. Daraus kann man lernen.

Timothea Imionidou
Zum Abschluss: Was gibt Ihnen trotz aller Herausforderungen Zuversicht für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und Europas?

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Was mir Zuversicht gibt, ist die Stärke vieler Unternehmen. Wir haben nach wie vor sehr viele Firmen mit guten Marktpositionen und hoher Anpassungsfähigkeit. Das haben wir in der Corona-Pandemie gesehen.
Viele Unternehmen sind Familienunternehmen mit kurzen Entscheidungswegen und gut qualifizierten Mitarbeitern. Sie können ihre Geschäftsmodelle anpassen und sich neu aufstellen.
Darauf würde ich setzen. Natürlich wünschen wir uns bessere politische Rahmenbedingungen. Ich glaube, auch in der Politik ist angekommen, dass etwas passieren muss – aber es geht noch zu langsam.

Timothea Imionidou
Nichtsdestotrotz: Die Mühlen mahlen langsam.

Professor Dr. Dr. h. c. Clemens Fuest
Ja, die Mühlen mahlen langsam. Aber es gibt auch neu gegründete Unternehmen mit sehr guten Ideen, die mit etablierten Firmen zusammenarbeiten. Es bewegt sich etwas. Deshalb bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir in den kommenden Jahren wieder mehr Wachstum sehen werden.

Timothea Imionidou
Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, dass Sie mein Gast waren und heute bei unserem Event dabei sind.
Und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören und Zusehen.
Weitere News, Hintergründe und Podcasts finden Sie auf willipedia.plattes.net.

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: Frank Feldmeier

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