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“Nostalgie ist keine Strategie”: So war das Event “Familienvermögen in Krisenzeiten”

Eine ausführliche Zusammenfassung der erkenntnisreichen Veranstaltung auf Mallorca am 30. und 31. Januar.

02. Februar 2026

Es war ein Bild, das viele Referentinnen und Referenten aufgreifen sollten: Die Leinwand über der Bühne im Konferenzraum der Motorworld Mallorca zeigt Gulliver im Land der Liliputaner. Er liegt am Boden, gefesselt mit dünnen Stricken, und davon so viele, dass Gulliver nicht glaubt, aufstehen zu können. Oder ist er gar eingeschlafen?

Der gefesselte Riese, den CEO Willi Plattes in seiner Begrüßungsrede beschrieb, steht für den Wirtschaftsstandort Deutschland, der vor lauter Bürokratie, Reformstau und Besitzstandsdenken nicht mehr auf die Beine kommt. Aber auch für Unternehmerfamilien, die angesichts der enormen Herausforderungen durch geopolitische Krisen, Innovationsdruck und fiskalische Stolperfallen wie gelähmt sind.

Die Analyse dieser Probleme, vor allem aber Lösungswege standen im Mittelpunkt des Events “Familienvermögen in Krisenzeiten” am 30. Januar in der Motorworld sowie am darauffolgenden Tag (31. Januar) im Chateau Vino de la Isla. Mehr als 200 Gäste waren gekommen, um von hochkarätigen Experten aus Steuerberatung, Wissenschaft und Wirtschaft zu erfahren, wie die Fesseln gelöst werden können.

Impulsvorträge: Deutschland, was nun?

Zumindest “ein bisschen wachgeküsst” worden seien Deutschland und Europa, seitdem US-Präsident Donald Trump viele bislang geltende Regeln im internationalen Miteinander über den Haufen geworfen habe, sagte Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research LBBW, in seinem Impulsvortrag. Er analysierte die niedrigen Wachstumsraten und den Mangel an Investitionen in Deutschland - wurde da jemand gefesselt, oder hat sich der Riese einfach ein wenig hingelegt? Kraemer appellierte, den Blick nach vorne zu richten, statt nostalgisch an der Vergangenheit festzuhalten - die Top-Forschungsstandorte in Deutschland seien eine gute Grundlage. 

“Nostalgie ist keine Strategie”, warnte auch Dr. Martin Lück, Finanzmarktexperte von Macro Monkey, mit Blick auf die notwendige Strategie in Europa gegen die Hegemonialmächte. Der Kontinent habe die Chance, der “bessere Westen” zu werden, wenn er aufpasse, nicht unter die Räder zu kommen, und gleichzeitig seine Werte weiter hochhalte. 

Wie der Blick von außen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland aussieht, skizzierte Dr. Sebastian Orbe, Managing Director von Blackstone. Einerseits gelte Deutschland wieder als investierbar, andererseits stünden Versäumnisse bei der Anpassung der Geschäftsmodelle oder auch die überbordende Bürokratie im Fokus. 

Das Bild von den wirtschaftlichen Optionen Deutschlands in der aktuellen Lage vervollständigte eine Podiumsdiskussion der drei Experten, die Dr. Sascha Haghani moderierte, Managing Partner Hannover Finanz. Der geopolitische Wandel sei auch eine Chance für Deutschland, sich neu aufzustellen und dabei seine Stärken unter neuen Vorzeichen auszuspielen, so der Tenor der Debatte. Verwiesen wurde auf das Bildungssystem, das sehr gut ausgebildete Fachpersonal, Forschungskompetenz und Innovationskraft. Diese Vorteile müssten kombiniert werden mit mehr Risikobereitschaft, Leistungsbereitschaft auf breiter Ebene, der Abkehr von Selbstzufriedenheit sowie mit den nötigen Reformen auf EU-Ebene hinsichtlich der institutionellen Entscheidungsprozesse oder der Vollendung des Binnenmarkts - die unterschiedlichen Regelungen entsprächen einem Zollsatz von 40 Prozent. 

Der Blick nach China

Wie Chinas Autoindustrie Deutschland abgehängt hat und welche Lehren daraus zu ziehen sind, analysierte anschließend Bestseller-Autor und China-Spezialist Frank Sieren. Chinesische Marken seien nicht nur in China selbst inzwischen die erste Wahl, sondern auch in Europa schneller auf dem Vormarsch als von vielen erwartet. Elektro-Autos, Batterien, Vernetzung, autonomes Fahren – das Land habe mit den Technologie-Standard Europa übersprungen und könne nun beim Auto den globalen Trend bestimmen. Dabei seien nicht staatliche Subventionen, sondern Innovationskraft und eigene Entwicklungen entscheidend gewesen.

Die wichtigste Lehre für Deutschland sei, sich ein realistisches Bild von der Lage vor Ort in China zu machen. “Es reicht nicht, wenn man in Deutschland aus dem Fenster schaut”, so Sieren. “Wenn man den Tsunami sieht, ist es schon zu spät.“ Zudem brauche es einen schärferen Blick auf die tatsächlichen Bedürfnisse internationaler Kunden. 

Das globale fiskalische Panorama

Einen “360-Grad” Blick auf die internationale Steuerrechtslandkarte warfen Prof. Dr. Martin Wenz, Akademischer Leiter der Liechtenstein Executive School, Dr. iur. Erek Nuener, LL.M., Partner IMT Group, Prof. Dr. Jens Schönfeld, Partner Flick Gocke Schaumburg, Dr. Florian Oppel, LL.M., Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei YPOG GmbH & Co, sowie Willi Plattes. Dabei wurde klar: Steuern sind kein Nebenschauplatz, sondern ein entscheidender Faktor, wenn es um Kapital-, Mobilitäts- und Nachfolgesicherung geht. 

Global gesehen ließen sich zwei gegensätzliche Strategien von Standorten unterscheiden, bei denen nicht nur die Höhe von Steuern eine Rolle spiele: Eine Gruppe von Ländern versuche, attraktiver für Investoren und Vermögende zu werden. Eine zweite Gruppe dagegen mauere sich steuerlich ein - Stichwort Wegzugsbesteuerung. Dass das nicht nur eine kulturelle Ursache habe, zeige sich etwa daran, dass Österreich im Gegensatz zu Deutschland auf eine Erbschaftsteuer ganz verzichte. 

Ein klarer Trend sei die verstärkte Nachfrage nach Stiftungen in Liechtenstein, einem traditionell rechtssicheren Standort, der sich in Sachen Steuertransparenz neu erfunden habe und sich als ideales “fiskalisches Scharnier” etwa zwischen Deutschland und Spanien erweise. Trotz aller Probleme am Standort Deutschland gehe es nicht darum, dem Land wirtschaftlich den Rücken zu kehren, sondern sich breiter aufzustellen, vorzusorgen und flexibel zu bleiben. Die deutsche Politik müsse überlegen, welches Steuermodell zu ihrem Businessmodell passe, um “mehr Performance” zu erzielen.

Wie Unternehmerfamilien den Wandel meistern

Jede strategische Ausrichtung profitiert von einer Erweiterung des Fokus, wie Prof. Dr. Yvonne Brückner betonte. Die geschäftsführende Gesellschafterin von ResFutura zeigte am Beispiel der Entwicklung der Bevölkerung und der Wirtschaftsleistung seit dem Jahr 1950, wie einst funktionierende Geschäftsmodelle dysfunktional wurden. Zudem verwies sie auf zwei massiv unterschätzte Denkfehler in Deutschland. Da wäre zum einen der “Success Bias”: Wir kopieren stur vergangene Erfolgsmodelle, obwohl sich die Marktbedingungen geändert haben. Ebenso wenig hilfreich ist der “Normalcy Bias”: Wir tun Warnsignale und Krisen trotz ihrer Häufigkeit und Intensität als Ausreißer ab, anstatt sie als Vorboten eines „New Normal“ zu begreifen. 

Brückner stellte zudem einen Auszug der Ergebnisse vor, die eine Befragung unter den Teilnehmern im Vorfeld des Events geliefert hatte – ein Einblick, wie hochvermögende Entscheider zentrale langfristige Veränderungslinien einschätzen, welche Folgerungen sie daraus für ihre Vermögensstrategie ziehen und welche konkreten Anpassungen sie für die kommenden Jahre planen.

Die Lehren, die sich für Entscheider aus der Forschung ergeben, verpackte Brückner passend zum Veranstaltungsort der Motorworld in ein anschauliches Bild zum Thema Mobilität: Gerade bei unklaren Verhältnissen und schwieriger Orientierung sei ein klarer Kompass (Unternehmenswerte) wichtig, zudem ein geländefähiges Vehikel (die rechtlich-institutionelle Schutzstruktur), eine gute Verteilung des Gewichts (Diversifizierung), die Hoheit über das Steuer (Entscheidungsprozesse) sowie auch die Wendefähigkeit des Fahrzeugs (Optionserhalt als Ersatz für Planungssicherheit).

Es ließe sich auch von “Stagilität” sprechen, einem Begriff, den Prof. Dr. Arnold Weissman ins Spiel brachte. Der Mitveranstalter, der auch den zweiten Teil des Events moderierte, und Gründer der Weissman Gruppe und F.U.N. - Das Familien Unternehmer Netzwerk sprach von einer Kombination aus fundamentaler Stabilität und der nötigen Agilität angesichts der derzeitigen Umwälzungen in allen Bereichen. Ein dringend nötiges Ende des bisherigen “Weiter so” sei nur durch zwei Dinge möglich: aus Antrieb und Lust (Vision) oder aber aus Leid (es tut richtig weh). 

Erfolgskriterien aus der Praxis

Klare Worte zu den nötigen Reformen in Deutschland fand Torsten Toeller. Der Investor und Gründer der Tierbedarfshandelskette Fressnapf gab zudem spannende Einblicke in seine Unternehmerbiographie und spannte dabei den Bogen von der Eröffnung seines ersten Ladens über Phasen des Franchising und der Joint Ventures bis hin zum Einstieg des Finanzinvestors Cinven als strategischer Minderheitsgesellschafter. Auch seine Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit stellte Toeller vor.

So steht es um den Wirtschaftsstandort

Wie es um den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa steht, brachte noch einmal Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest auf den Punkt. Der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung verwies darauf, dass die weltweite wirtschaftliche Entwicklung trotz der Zollkonflikte und trotz wachsender geopolitischer Spannungen vergleichsweise stabil verlaufe. Deutschland werde nach Jahren der Stagnation 2026 voraussichtlich zu einem schwachen Wachstum zurückkehren. Wichtiger sei die mittelfristige Wohlstandsentwicklung. “Deutschland zeigt dabei in den letzten sechs Jahren eine fundamentale Fehlentwicklung”, so Fuest. “Die Wirtschaft stagniert, die privaten Investitionen sinken, der Staatskonsum dagegen steigt immer mehr an.”

Wie Deutschland sich reformieren muss, um nicht länger über seine Verhältnisse zu leben, war Thema der anschließenden Debatte. Während die Reformen auf der Hand lägen - unter anderem die Vereinfachung von Gründungen, die Förderung der Fachkräftezuwanderung oder Bürokratieabbau -, dürften beim bestehenden Umsetzungsproblem die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden. Die starren verfassungsrechtlichen Strukturen, die Mechanismen der Mehrheitsfindung in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft und die vorherrschende “Vollkasko-Mentalität” ließen nur langsame und kleine Schritte zu.

NEU DENKEN und eine Enthüllung

Zum Abschluss des erkenntnisreichen Tages bot Medienunternehmerin Sabine Christiansen einen Ausblick auf das Wirtschaftsforum NEU DENKEN Ende Mai – die Münchner Sicherheitskonferenz wird wieder als Partner mit an Bord sein –, bevor Andreas Dünkel noch eine Überraschung parat hatte. Der Gastgeber und Inhaber der Motorworld Group illustrierte die automobile Assetklasse und enthüllte schließlich einen McLaren Elva, Teil einer Limited Edition von nur 149 Stück. Das Fahrzeug mit einer Außenhaut aus Kohlefaser beschleunigt in 2,8 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde, hat eine Endgeschwindigkeit von 327 Kilometern pro Stunde und einen Neupreis von 1,7 Millionen Euro. 

Ob motorisierte oder fiskalische Mobilität – Stoff gab es genug für die Gespräche in den Kaffeepausen, beim Essen und beim ausgiebigen Networking im Chateau Vino de la Isla in Algaida am Tag darauf, bei Paella und selbst kreiertem Wein. 

Dank an Partner und Mitveranstalter

Möglich wurde das Event dank der Partner – Bundeswirtschaftssenat, LBBW, Domus Vivendi Group, Studio AKAMÁ, Aurivolt Energy, Perlentaucher, Hannover Finanz, Matrol, Blackstone, Fachseminare von Fürstenberg, Motorworld Mallorca, Bahamas Homes Development, Jardins Tramuntana und Marnali Art – sowie Mitveranstalter F.U.N. - Das Familien Unternehmer Netzwerk von Prof. Dr. Arnold Weissman.

Alle Fotos: Thor Schoof

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