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Szenarien geopolitischer Krisen: Was passiert mit Ihrem Vermögen, wenn der Zahlungsverkehr stoppt?

Geografische Vermögensdiversifikation ist kein Luxus, sondern Vorsorge. Eine Bestandsaufnahme von Willi Plattes.

12. Februar 2026

In Beratungsgesprächen taucht seit einigen Monaten eine Frage auf, die vor wenigen Jahren noch als fernliegend gegolten hätte: Was passiert mit meinem Vermögen, wenn geopolitische Eskalationen den internationalen Zahlungsverkehr unterbrechen? Die Sorge ist verständlich – und sie ist keineswegs unbegründet. Die Geschichte liefert dafür genügend Anschauungsmaterial.

Griechenland, Zypern, Russland

Das eindrücklichste europäische Beispiel stammt aus dem Jahr 2015: Während der griechischen Schuldenkrise wurden Banküberweisungen ins Ausland auf 500 Euro pro Transaktion begrenzt, Bargeldabhebungen auf 60 Euro täglich. Diese Maßnahmen trafen nicht nur griechische Bürger, sondern auch ausländische Kontoinhaber mit Einlagen bei griechischen Banken – und sie dauerten Monate.

Noch drastischer fiel die Zypern-Krise 2013 aus: Im Rahmen des sogenannten Bail-in wurden Bankguthaben oberhalb von 100.000 Euro teilweise eingezogen. Kapitalverkehrskontrollen blieben bis 2015 bestehen. Wer sein Vermögen ausschließlich auf der Insel hielt, erlebte einen realen Vermögensverlust durch staatlichen Zugriff.

Der russische Einmarsch in die Ukraine 2022 hat gezeigt, wie schnell ein SWIFT-Ausschluss Realität werden kann. Russische Staatsbürger mit Konten in der EU konnten praktisch über Nacht keine Überweisungen mehr tätigen. Einlagen über 100.000 Euro wurden eingefroren – auch bei Personen ohne jede Nähe zum russischen Staat. Iran lebt seit dem SWIFT-Ausschluss 2012 unter vergleichbaren Bedingungen: Internationale Zahlungen sind für iranische Bürger und Unternehmen bis heute praktisch unmöglich.

Mechanismen in der EU

Was viele nicht wissen: Auch innerhalb der EU ist der rechtliche Rahmen für Kapitalverkehrskontrollen bereits angelegt. Artikel 65 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) erlaubt Mitgliedstaaten Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs aus Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit. Im Falle einer schweren geopolitischen Eskalation – etwa eines direkten NATO-Russland-Konflikts – wäre die Aktivierung solcher Mechanismen kein theoretisches Szenario, sondern ein politisch naheliegender Schritt zur Verhinderung von Kapitalflucht.

Was bedeutet das für die Vermögensplanung?

Die Lehre aus den historischen Beispielen ist eindeutig: Wer sein Vermögen ausschließlich in einer einzigen Jurisdiktion hält, geht ein Konzentrationsrisiko ein, das über klassische Marktrisiken hinausgeht. Geografische Diversifikation, also die bewusste Verteilung von Vermögenswerten über mehrere Rechtsordnungen und Bankensysteme hinweg, ist kein Ausdruck von Misstrauen gegenüber dem eigenen Staat. Sie ist eine vernünftige Vorsorgemaßnahme, die in der internationalen Vermögensplanung seit Jahrzehnten zum Standard gehört.

Entscheidend ist dabei: Diese Strukturierung muss rechtskonform, transparent und steuerlich sauber aufgesetzt sein. Es geht nicht um Verschleierung, sondern um die intelligente Nutzung bestehender rechtlicher Möglichkeiten innerhalb des europäischen und internationalen Regelwerks.

Wer heute handelt, hat morgen Optionen. Wer wartet, bis die Grenzen geschlossen sind, hat keine mehr.

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