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„Exportweltmeister war gestern, Anpassung ist die neue Stärke“

Dr. Moritz Kraemer über Strukturwandel, geopolitische Risiken und die Zukunft europäischer Unternehmen.

Was passiert, wenn vertraute wirtschaftliche Ordnungen wegbrechen, geopolitische Gewissheiten verschwinden und Erfolgsmodelle der Vergangenheit nicht mehr tragen? Beim PlattesGroup-Event Familienvermögen in Krisenzeiten in der Motorworld Mallorca spricht Dr. Moritz Kraemer Klartext.

Der Chefvolkswirt der Landesbank Baden Württemberg ordnet die aktuelle Lage ein und erklärt, warum Europa sich nicht länger auf alte Stärken verlassen kann. Drei Jahre Stagnation, demografischer Wandel, geopolitische Spannungen und der Verlust klassischer Exportvorteile stellen Unternehmen und Unternehmerfamilien vor grundlegende Fragen.

Kraemer zeigt auf, warum der eigentliche Umbruch weniger mit Konjunkturzyklen zu tun hat, sondern mit Struktur. Während andere Regionen Technologiesprünge nutzen, verharrt Europa oft in Debatten. Am Beispiel der Automobilindustrie wird deutlich, wie schnell Weltmarktführerschaft verloren gehen kann, wenn Innovation in die falsche Richtung gelenkt wird.

Im Gespräch mit Timothea Imionidou, Podcast-Producerin der PlattesGroup, geht es um wirtschaftliche Realität statt Wunschdenken, um Fehlentscheidungen in Krisenzeiten und um die Frage, wie Familienvermögen langfristig stabil aufgestellt werden können.

Dr. Moritz Kraemer bringt dabei nicht nur makroökonomische Perspektiven ein, sondern auch klare Botschaften an Unternehmer: Ein „Weiter so“ reicht nicht. Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Hoffnung, sondern durch Anpassung, Investitionen und den Mut, alte Erfolgsrezepte zu hinterfragen.

Ein Podcast über Transformation, Verantwortung und die Notwendigkeit, wirtschaftliches Denken neu auszurichten.

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06. Februar 2026

Timothea Imionidou
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Podcasts.
Heute sind wir einmal nicht in unserem Studio im Office der PlattesGroup, sondern hier in der Motorworld bei unserem Event Familienvermögen in Krisenzeiten.
Bei mir zu Gast ist Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter des Konzernbereichs Research der Landesbank Baden Württemberg. Zuvor war er unter anderem Global Chief Rating Officer für Staatenratings bei Standard and Poor’s und zählt heute zu den profiliertesten Stimmen, wenn es um makroökonomische Risiken, geopolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Märkte und Vermögen geht.
Herr Dr. Kraemer, schön, dass Sie heute bei mir im Podcast sind und natürlich auch hier bei unserem Event.

Dr. Moritz Kraemer
Ja, es war ein wunderbarer Tag.

Timothea Imionidou
Es war viel, aber es war schön. Interessante Vorträge, tolle Referenten.

Dr. Moritz Kraemer
Und ich durfte auch dabei sein.

Timothea Imionidou
Wenn Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in wenigen Sätzen beschreiben müssten
Befinden wir uns in einer historischen Ausnahmesituation oder ist das bereits die neue wirtschaftliche Normalität

Dr. Moritz Kraemer
Es ist irgendwo dazwischen. Wir hatten jetzt drei Jahre Stagnation. Im Jahr 2026 werden wir etwas Wachstum sehen, das allerdings vor allem durch die Ausgabenprogramme der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung getragen wird.
Der Funke in die Privatwirtschaft muss erst noch überspringen. Ob das Wachstum nachhaltig ist, wird sich zeigen. Bessere Infrastruktur bringt Wachstum, aber das passiert nicht über Nacht. Über 25 bis 30 Jahre wurde zu wenig in die öffentliche Infrastruktur investiert. Das lässt sich nicht in einer Legislaturperiode aufholen.
Vorausschauend müssen wir uns darauf einstellen, künftig kleinere Brötchen zu backen. Das hängt auch mit dem demografischen Wandel zusammen. Jahr für Jahr verlieren wir netto rund eine halbe Million Arbeitskräftepotenzial durch die Alterung der Gesellschaft. Das entspricht etwa einem Prozent der Erwerbsbevölkerung pro Jahr.
Dieses Defizit müssten wir durch höhere Produktivität ausgleichen. Dafür brauchen wir mehr Investitionen, bessere Infrastruktur und bessere Bildung. Das sind drei große Baustellen, bei denen bislang vor allem die Schilder stehen, während die eigentliche Arbeit vielerorts noch nicht begonnen hat.
Für die nächsten fünf bis zehn Jahre müssen wir uns daher auf ein Wachstumspotenzial von etwa 0,5 Prozent einstellen. Besser wird es langfristig nur, wenn wir investieren, besser ausbilden und auch die Integration der Zugewanderten deutlich verbessern.

Timothea Imionidou
Aber es gibt ja Optionen.

Dr. Moritz Kraemer
Natürlich. Gerade im Bereich Infrastruktur nimmt die Regierung jetzt ernsthaft Geld in die Hand. Das ist überfällig. Es braucht jedoch flankierende Reformen im Bildungs und Arbeitsmarkt. Das erfordert politischen Mut und der ist nicht immer sichtbar.
Gleichzeitig erleben wir einen echten Weckruf. Vielleicht ist dieser Weckruf Donald Trump. Denn das exportgetriebene Wachstum in einer globalisierten Welt mit verlässlichen Regeln steht so nicht mehr zur Verfügung. Wir müssen uns neu erfinden.

Timothea Imionidou
Sie blicken als Chefvolkswirt täglich auf globale Risiken und Trends. Mit welchem inneren Kompass betrachten Sie Familienvermögen

Dr. Moritz Kraemer
Bei Familienunternehmen steckt ein Großteil des Vermögens im Unternehmen selbst. Deshalb muss man sehr genau analysieren, in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist und ob die Weichen für die Zukunft richtig gestellt sind.
Wir haben viele großartige Unternehmen und echte Weltmarktführer. Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die darauf hoffen, dass die gute alte Zeit zurückkehrt. Das wird nicht passieren. Jedes Unternehmen muss sich fragen, ob das eigene Produkt auch 2030 oder 2040 noch gefragt sein wird oder ob man Weltmarktführer der Nullerjahre geblieben ist.
Beim darüber hinausgehenden Familienvermögen gelten die gleichen Maßstäbe wie bei anderen Vermögenswerten. Wo liegen Risiken, wo Chancen. In diesem Jahr ist die Unsicherheit außergewöhnlich hoch, weil die Weltordnung stark ins Wanken geraten ist und viele der früher festen Regeln nicht mehr gelten.

Timothea Imionidou
Sie sagen, dass vertraute Ordnungen ins Wanken geraten sind wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich

Dr. Moritz Kraemer
In allen Bereichen. Politisch erleben wir Krieg in Europa, die Rivalität zwischen den USA und China und große Unsicherheit darüber, wie verlässlich frühere Bündnisse noch sind.
Gesellschaftlich zerbröselt der Konsens. Die politische Mitte verliert an Stabilität, während die Extreme stärker werden. Das erschwert politische Entscheidungen erheblich und führt zu wachsender Ungeduld und Zynismus gegenüber der Politik. Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien, Großbritannien und Polen.

Timothea Imionidou
In Krisenzeiten beobachten wir häufig emotionale Reaktionen. Welche typischen Fehlentscheidungen sehen Sie bei Unternehmerfamilien und welche Haltung wäre langfristig klüger

Dr. Moritz Kraemer
Der Pessimismus nimmt stark zu. Viele Menschen sagen, hier funktioniere nichts mehr. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass rund drei Viertel der Menschen angeben, ihnen gehe es persönlich wirtschaftlich gut. Diese Diskrepanz ist bemerkenswert.
Ein Teil des Problems ist die Erwartungshaltung. Wir werden nicht in die Wirtschaftswunderjahre oder die Zeit des Exportweltmeisters zurückkehren. China produziert heute vieles selbst günstiger und oft besser und verdrängt deutsche Unternehmen zunehmend auch auf Drittmärkten und im eigenen Markt.
Manche Unternehmen haben sich auf früheren Erfolgen ausgeruht und ihre Produktpalette nicht ausreichend weiterentwickelt. Natürlich gibt es wirtschaftspolitische Hemmnisse, aber unternehmerische Verantwortung spielt ebenfalls eine große Rolle. Die Krise der Automobilindustrie wurde nicht allein in Berlin oder Brüssel verursacht.

Timothea Imionidou
Zum Abschluss ein Blick nach vorne. Was erwarten Sie in fünf bis zehn Jahren

Dr. Moritz Kraemer
Wir werden ein neues Gleichgewicht finden. Europa ist ein riesiger Markt. Viele Regionen der Welt wollen weiterhin eine regelbasierte multilaterale Ordnung.
Möglicherweise werden wir rückblickend sagen, dass die aktuellen Entwicklungen der Anstoß waren, uns auf unsere eigenen Stärken zu besinnen. Dazu gehören ein stärkerer Binnenmarkt, neue Handelsabkommen und eine Neuausrichtung der Innovationskraft.
Unsere Innovationsfähigkeit haben wir nicht verloren. Wir müssen sie jedoch stärker auf Zukunftstechnologien lenken. In der Automobilindustrie entscheidet längst nicht mehr das perfekte Spaltmaß, sondern Software, Elektromobilität und digitale Systeme.
Ich erlebe bei vielen Unternehmern ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass ein Weiter so nicht ausreicht. Wir müssen mit beiden Füßen im 21. Jahrhundert ankommen.

Timothea Imionidou
Ein sehr positives Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Moritz Kraemer
Vielen Dank.

Timothea Imionidou
Danke, dass Sie hier waren.
Und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören und Zusehen. Weitere News und Podcasts finden Sie wie immer auf willipedia.plattes.net.

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: C. Schittelkopp

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