Skip to main content Skip to page footer

„China nutzt den Technologiesprung, Europa diskutiert ihn“

Beststeller-Autor Frank Sieren über den Autoschock, technologische Sprünge und strategische Fehler eines ganzen Kontinents.

Frank Sieren ist einer der bekanntesten China-Experten im deutschsprachigen Raum. Er lebt seit über 30 Jahren in Peking, berät internationale Unternehmen bei ihrer Strategie für das Reich der Mitte und ist Bestsellerautor, unter anderem mit seinem aktuellen Buch „Der Autoschock: Wie China uns abhängen konnte und was das für unsere Zukunft bedeutet – Ein Blick hinter die Kulissen der chinesischen Innovationskraft“.

In dieser Podcast-Folge analysiert Sieren, warum China Europas Autoindustrie in zentralen Zukunftsfeldern wie Elektromobilität, autonomes Fahren und digitale Vernetzung überholt hat. Er erklärt, weshalb Europa die technologische Dynamik lange unterschätzt hat, wie China den Technologiesprung strategisch vorbereitet hat und warum Geschwindigkeit, Konsequenz und emotionale Marktbindung heute über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Aufgezeichnet beim Event „Familienvermögen in Krisenzeiten“ ordnet Sieren Chinas Wandel vom Produktionsstandort zum globalen Innovations- und Technologietreiber ein. Er zeigt, warum chinesische Konsumenten zunehmend heimische Marken bevorzugen, wie schnell deutsche Premium-Marken an Strahlkraft verloren haben und weshalb Europa jetzt vor einer strategischen Weggabelung steht.

Im Gespräch mit Willi-pedia Podcast-Produzentin Timothea Imionidou geht es außerdem um langfristiges Denken, kulturelle Unterschiede zwischen Europa und China sowie um die Frage, wie Unternehmer und Unternehmerfamilien ihr Vermögen und ihre Unternehmen in einer zunehmend von China geprägten, multipolaren Welt strategisch absichern können. Themen wie Diversifikation, Standortwahl und geopolitische Abhängigkeiten werden klar, verständlich und praxisnah eingeordnet.

Ein Podcast für alle, die verstehen wollen, wie das Reich der Mitte Märkte verändert – und was das konkret für unternehmerische Entscheidungen in Europa bedeutet.

 

PlattesGroup – unsere Infos auf allen Kanälen

  • Aktuelle News über Wirtschaft, Steuern und Recht auf unserer Website. 

  • Eine Übersicht über News, Podcasts und Events erhalten Sie im Zwei-Wochen-Rhythmus in unserem kostenlosen Newsletter, der Mandantendepesche.

  • Die PlattesGroup ist auf LinkedIn vertreten. Außerdem posten wir aktuelle News sowie Reels und Shorts auf Instagram und Youtube Shorts.

  • Über unseren WhatsApp-Kanal bekommen Sie Updates zu Wirtschaft, Steuern und Recht direkt aufs Handy.

  • Darüber hinaus sind wir mit unseren Podcasts auf allen gängigen Plattformen zu finden, wie Spotify und Apple Podcasts.

  • Unsere Podcasts gibt es nicht aber nur zum Anhören, sondern auch zum Ansehen, und zwar auf unserem Youtube-Kanal.

05. Februar 2026

Timothea Imionidou
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Willi-pedia Podcasts. Heute nicht aus unserem Studio im Office der PlattesGroup, sondern hier aus der Motorworld. Wir sind gerade bei unserem Event „Familienvermögen in Krisenzeiten“. Ich hatte heute schon viele spannende Gäste hier im Podcast und freue mich jetzt ganz besonders auf einen hochkarätigen Referenten: Frank Sieren. Hallo, herzlich willkommen!

Frank Sieren
Freut mich sehr.

Timothea Imionidou
Freut mich auch. Ich kenne Sie tatsächlich vor allem aus diversen YouTube-Videos. Ich habe schon viel von Ihnen gehört und über Sie gelesen. Umso mehr ist es mir eine Ehre, dass Sie heute hier bei mir zu Gast sind.

Frank Sieren
Freut mich ebenfalls.

Timothea Imionidou
Willipedia Podcast. Mit allem, was Sie über Wirtschaft, Steuern und Recht wissen müssen. Sie sind Bestsellerautor, gelten als führender China-Experte und leben seit über 30 Jahren in Peking. Sie beraten Unternehmen bei ihrer China-Strategie und haben ein aktuelles Buch veröffentlicht: „Der Autoschock. Wie China uns abhängen konnte und was das für unsere Zukunft bedeutet.“ Ein bisschen in diese Richtung ging auch Ihr Vortrag bei uns. Sie haben darüber gesprochen, wie Chinas Autoindustrie Deutschland abgehängt hat. Was war aus Ihrer Sicht der entscheidende Wendepunkt in diesem Wettbewerb?

Frank Sieren
Der entscheidende Punkt war zunächst, dass wir die Chinesen unterschätzt haben. Das war vielleicht noch kein Wendepunkt, aber der Anfang der Überraschung, die wir dann erleben mussten. Wir haben traditionell gesagt: Der Chinese ist nett, baut auch ganz gute Autos, aber im Grunde ist er nicht innovativ. Er kann nur kopieren. Er kann Dinge nachbauen, die wir ihm vorgeben. Daran haben wir uns festgebissen und dabei im Grunde 2.000 Jahre chinesische Geschichte weggewischt, in denen China eine Weltmacht war, auch eine sehr innovative.
Erst im 19. Jahrhundert haben die Chinesen dann die industrielle Revolution verpasst, waren herablassend und arrogant – so wie wir heute vielleicht – und sind ziemlich auf Grund gelaufen: 200 Jahre Pleiten, Pech und Pannen. Jetzt sind sie wieder da. Das konnten wir uns nicht vorstellen. Deshalb haben wir den Aufstieg der chinesischen Autoindustrie übersehen.
Übrigens nicht alle. Warren Buffett hat 2008 schon 240 Millionen investiert – in BYD, heute der größte Autohersteller der Welt. Also es haben nicht alle weggeschaut. Aber wir haben gedacht: Diese ganzen Pläne mit E-Auto, das ist kommunistische Propaganda, das kommt ohnehin nicht. Die Chinesen haben nicht widersprochen, sondern weitergemacht. Sie haben natürlich genau gesehen: Beim Diesel können sie uns nicht einholen. Also müssen sie leapfroggen, einen Technologiesprung machen und in Bereiche gehen, in denen wir nicht unterwegs sind.
Und dann haben sie gesagt: Batterie, digitale Vernetzung, autonomes Fahren – grob waren das die Themen. Plötzlich sind sie dadurch in eine Situation geraten, dass Kunden das gut angenommen haben. Und sie konnten dann etwas tun, was wir jahrzehntelang gemacht haben: Innovationsrichtung und Innovationsgeschwindigkeit global bestimmen.
Das hat uns komplett unvorbereitet getroffen. Und dann kam hinzu, dass Marken, von denen wir dachten, sie seien auf dem chinesischen Markt „forever young“, in wenigen Jahren verglüht sind. Das Interesse an den deutschen Marken – Porsche, Mercedes, BMW – hat sehr schnell nachgelassen. Und dann passiert etwas, das mit etwas Abstand auch wieder normal ist: Die Chinesen kaufen chinesische Autos, wie Japaner japanische kaufen, Deutsche deutsche und Amerikaner amerikanische.
Bei China kommt aber ein wichtiger Aspekt hinzu: Das deutsche Auto wurde lange als Statussymbol gekauft. Deutsche Autos waren über Jahrzehnte – im Volumenbereich mit VW und im Premiumbereich mit Audi – mit großem Abstand vorne. Sie standen aber auch dafür, dass die Chinesen es selbst noch nicht konnten. Wenn sie heute ein chinesisches Auto kaufen, zeigen sie nicht nur: Wir haben es geschafft. Sie zeigen auch: China hat es wieder geschafft. China ist wieder oben, wieder da, wo es viele Jahrhunderte war. Deshalb ist die emotionale Bindung zu den jungen chinesischen Marken stärker als zu den deutschen.
Und das macht es so schwierig. Selbst wenn wir genauso gute und preiswerte Autos anbieten, sagt der Chinese: Ich will lieber zeigen, dass wir es geschafft haben. Dafür können die Deutschen nichts – aber dieses emotionale Element, von dem wir vorher lange gelebt haben, wendet sich jetzt gegen uns.

Timothea Imionidou
Es ist ja nicht plötzlich passiert. Man hat es lange unterschätzt.

Frank Sieren
Genau. Und das Interesse an Marken wie Porsche ist in relativ wenigen Jahren – drei, vier Jahre – verblasst. Bei E-Autos haben wir in China inzwischen einen Marktanteil von etwa 2,5 Prozent. Und er ist sogar halb so groß wie letztes Jahr. 2024 waren es noch rund 4 Prozent. Das ist bitter – in einem Markt, der zehnmal so viele E-Autos baut wie wir in Deutschland und sich in einer ganz anderen Dynamik weiterentwickelt.

Timothea Imionidou
Ja.

Frank Sieren
In Europa ist es noch so, dass deutsche Hersteller ihre Marktanteile ausbauen konnten. Aber da darf man sich nicht zu früh freuen. Das kann ein Zwischenhoch sein: Tesla schwächelt, und die Chinesen sind noch nicht vollständig da. Da muss man die nächsten drei, vier Jahre abwarten. Sie haben auf europäischer Ebene schon rund 11 Prozent Marktanteil bei E-Autos. Und in England, wo es keine Zölle gibt, sind sie bei E-Autos und Verbrennern bereits bei etwa 13 Prozent.

Timothea Imionidou
Sie haben vorhin gesagt, beim autonomen Fahren – gerade beim KI-gesteuerten autonomen Fahren – seien die Chinesen den Deutschen um Welten voraus.

Frank Sieren
Ja. Dieses Thema haben wir lange unterschätzt, weil wir die Tragweite nicht richtig eingeschätzt haben. Autonomes Fahren ist eine technologische Disruption wie der Übergang vom Pferd zum Verbrenner: Erst wurde man das lästige Pferd los – und jetzt wird man den lästigen Fahrer los, der müde ist, gereizt, manchmal betrunken, zu alt und dadurch Fehler macht.
Die Chancen dieser Innovation hat man in Europa bis heute nicht richtig erkannt. Als Pendler: Wenn ich täglich zwei Stunden fahre, habe ich zwei Stunden mehr Freizeit – oder kann länger arbeiten, eben im Auto. Wenn ich 92 bin und Grauen Star habe, kann ich trotzdem noch zum Arzt fahren, in meinem eigenen Auto. Halbwüchsige Kinder kommen sicher nach Hause und sparen nicht am Taxi. Auch der Nahverkehr kann mit autonomen, öffentlichen Verkehrsmitteln komplett neu organisiert werden.

Timothea Imionidou
Ja, absolut.

Frank Sieren
Die Reaktion in Europa ist oft: „Ich will aber selbst fahren.“ Das eine schließt das andere nicht aus. Aber wenn ich im Stop-and-go der Rushhour stehe, vielleicht sogar hier in Palma, habe ich nicht immer Lust, selbst zu fahren – sondern würde lieber einen Film schauen. Die Chinesen haben das erkannt. Warum schneller? Weil sie 25-Millionen-Städte haben, wo der Druck, Verkehr zu organisieren und Autofahrer zu entlasten, viel größer ist als in Mitteleuropa. Also haben sie gesagt: Da knien wir uns rein. Sie haben viel Know-how investiert, viele Forscher – und sind früh in die Praxis gegangen. Und dann lernen die Systeme exponentiell.
Ein Unternehmen wie Huawei, das ein eigenes autonomes Fahrsystem hat und es mit Partnern in Autos einbaut, hat über eine Million Fahrzeuge auf der Straße. Zum Vergleich: Waymo, der amerikanische Wettbewerber, hat rund 3.000 Fahrzeuge auf der Straße.
Und in Mitteleuropa ist das Thema eher zu vernachlässigen. Es gibt Fahrassistenzsysteme, aber autonomes Fahren ist nicht so weit. Das sind Bereiche, in denen China schnell in Führung geht. Wir werden wahrscheinlich irgendwann deren Technologie übernehmen müssen – entweder mit chinesischen Partnern oder mit amerikanischen, die inzwischen aber nicht mehr so weit sind wie die chinesischen. Früher war Tesla führend.

Timothea Imionidou
Genau.

Frank Sieren
Aber Elon Musk hat das Auto vernachlässigt, sich verzettelt. Und im Grunde sind die Autos jetzt von den Chinesen überrollt worden.

Timothea Imionidou
Ja, definitiv. Wir sind hier auf dem Event „Familienvermögen in Krisenzeiten“. Es sind viele Unternehmerfamilien da. Viele verbinden China vor allem mit Produktion und Absatzmärkten. Hat sich China aus Ihrer Sicht inzwischen zu einem eigenständigen Innovations- und Technologiestandort entwickelt?

Frank Sieren
Früher haben die Chinesen alles gekauft, was wir hatten – weil es gut war. „Made in Germany“, und sie hatten nichts anderes. Jetzt müssen wir uns daran gewöhnen, dass sie in vielen Bereichen stärker werden: nicht nur im Auto, auch im Maschinenbau, in der Robotik. Der Partner wird zum Wettbewerber.
Wir können heute nicht mehr Produkte bauen und nach China verkaufen, ohne uns zu überlegen: Wie sind Kosten und Preis-Leistungs-Verhältnis? Was wollen chinesische Kunden eigentlich? Früher mussten sie nehmen, was wir ihnen vorgesetzt haben. Heute, weil sie selbst entwickeln, haben sie eigene Vorstellungen. Wenn wir uns nicht anpassen, haben wir Produkte, die vielleicht technisch besser sind – aber in Bereichen besser, für die der chinesische Kunde nicht bereit ist zu bezahlen.

Timothea Imionidou
Dann bringt das nichts.

Frank Sieren
Dann empfindet er das Produkt als teuer, weil er Features mitbezahlt, die ihm nicht wichtig sind. Beim Auto ist das zum Beispiel die Frage: Wie verhält sich das Auto bei 230 km/h? In China ist das unerheblich. In der Stadt geht es um Stop-and-go, auf der Autobahn 120. Wir müssen also viel genauer verstehen: Was wollen chinesische Kunden? Wie gut sind chinesische Wettbewerber? Und zu welchem Preis-Leistungs-Verhältnis bieten sie an?
Und wenn wir teurer sind, müssen wir überzeugend begründen, warum. Wenn wir das nicht können, haben wir ein Problem.

Timothea Imionidou
Dann ist es schlecht.

Frank Sieren
Es ist nicht so, dass alles aussichtslos ist. Es ist nur mehr Arbeit. Aber Nischen, Chancen und Marktlücken gibt es in einer sich schnell verändernden Welt vielleicht mehr denn je. Das haben die Chinesen im Automobilbereich gezeigt. Das hätten wir auch machen können. Da waren wir zu bequem.

Timothea Imionidou
Sie leben seit über drei Jahrzehnten in China. Wo unterscheidet sich das chinesische Denken über langfristige Strategien besonders stark von deutschen oder europäischen Ansätzen?

Frank Sieren
Da gibt es zwei Punkte. Erstens: Ein Land, das über zwei Jahrtausende alt ist, denkt in längeren Zeiträumen. Und es wird nicht ständig gewählt wie bei uns. Nichts gegen Demokratie – aber die deutsche Struktur mit vielen Wahlterminen bremst politische Akteure. Das gibt es in China nicht. Sie können langfristige Strategien umsetzen.
Ein Beispiel: Vor 25, 30 Jahren haben sie begonnen, Seltene Erden aufzukaufen – als wir uns damit noch gar nicht beschäftigt haben. Heute haben sie ein Monopol. Nicht weil sie böse sind, sondern weil sie clever waren. Niemand hat uns gezwungen, es nicht zu tun – wir haben es einfach verpasst. Dieses langfristige Denken fehlt uns.

Timothea Imionidou
Womit hat das zu tun? Mit der Geschichte des Landes? Mit der Mentalität?

Frank Sieren
Ja. Deutschland ist im Grunde erst 1945 neu entstanden. Das ist ein kurzer Zeitraum. Europa gibt es länger, aber es ist ein Unterschied. Und in einer Aufstiegsbewegung ist man geduldiger und kann Zumutungen eher ertragen als in einer Abstiegsbewegung – oder vorsichtiger formuliert: in einer stagnierenden Bewegung. Dann ist die Geduldsspanne kürzer. Das macht Reformen und Belastungen schwieriger durchsetzbar.
Der zweite Punkt: China ist kulturell anders. Wenn man eine Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft betrachtet, neigt sie in China eher zur Gemeinschaft, im Westen eher zum Individuum. Ich würde sagen: Europa sollte sich wieder etwas mehr Richtung Gemeinschaft bewegen. Umgekehrt sollten die Chinesen etwas mehr Richtung Individuum gehen. Das spiegelt sich auch im Rechtsverständnis.

Timothea Imionidou
Ja.

Frank Sieren
Für einen Mitteleuropäer ist es klar: Ich darf meinen Besitz schützen, auch wenn eine Autobahn gebaut werden soll. Ich kann sagen: Ich möchte mein Grundstück nicht verkaufen. In China ist das anders. Dort versteht man rechtlich nicht, wie jemand ein Projekt blockieren kann, für das sich die Mehrheit entschieden hat. Anständig entschädigt werden wollen sie aber – und werden sie auch. Nur dieses Recht zu blockieren, gibt es so nicht. Das macht es natürlich einfacher, Infrastruktur aufzubauen und dem Einzelnen Zumutungen zugunsten der Gemeinschaft abzuverlangen.

Timothea Imionidou
Ja, absolut.

Frank Sieren
Ich finde den Grad des Individualismus in westlichen Gesellschaften sehr angenehm – und auch die Rechte, die damit verbunden sind. Aber vielleicht muss man das Verhältnis etwas neu austarieren: sich zugunsten der Gemeinschaft und unseres Wertesystems auch mal zurücknehmen und zusammenhalten.

Timothea Imionidou
Es hat beides sein Für und Wider. Viele Menschen und Familien sorgen sich um die Zukunftsfähigkeit Europas. Wenn Sie Europa und China vergleichen: Wo sehen Sie Europas große Stärken und wo dringend Nachholbedarf?

Frank Sieren
Die großen Stärken liegen am Ende in der Vielfalt der Städte, Landschaften und Länder auf engem Raum. Das gibt es weltweit nirgends. Das kann uns niemand wegnehmen. Man kann fast sagen: Freizeitpark Europa.
Und die andere Stärke ist unsere Innovationskraft. Gerade in Deutschland steckt sie stark in mittelständischen Unternehmen und Hidden Champions, weniger in Startups. Aber wir haben eine Schwäche: Aus Erfolg heraus neigen wir dazu, Wettbewerber zu unterschätzen. Dabei weiß jeder Mittelständler, dass es klüger ist, den Wettbewerber eher zu überschätzen.
Ich glaube, da müssen wir korrigieren. Wenn wir die neuen Wettbewerber nicht realistisch einschätzen, wird es schwierig, Know-how und Innovationskraft so zu bündeln, dass wir wettbewerbsfähig bleiben. Zuversicht funktioniert nur zusammen mit glasklarem, knallhartem Realismus: Wo bin ich selbst positioniert? Wenn ich mir etwas vormache und dann zuversichtlich bin, ist das gefährlich.

Timothea Imionidou
Kriegen wir denn die Kurve?

Frank Sieren
Ich glaube ja. Vielleicht muss es noch einen Tick schlimmer werden. Vielleicht dauert es länger, als es dürfte. Aber ich glaube, wir verstehen zunehmend: Wir sollten uns nicht nur mit den Schwächen Chinas beschäftigen, sondern auch mit den Stärken – denn die sind für unser Leben viel prägender. Wir haben einen Umdenkungsprozess begonnen und müssen ihn vollenden: realistische Balance zwischen Stärken und Schwächen Chinas, realistische Einschätzung unserer eigenen Position – und darauf basierend einen Turnaround mit unserer Innovationskraft. Die gibt es ja immer noch.

Timothea Imionidou
Das ist auch unsere große Stärke. Zum Schluss noch ein Blick nach vorne: Welchen Rat würden Sie Unternehmerfamilien geben, die ihr Vermögen und ihre Unternehmen in einer zunehmend von China geprägten Welt langfristig sichern wollen?

Frank Sieren
Ich würde Vermögen mindestens diversifizieren. Ein Ort dafür ist Hongkong: Man ist im chinesischen Markt, aber in einem System, in dem westliches Recht gilt, mit einer der großen internationalen Börsen. Man kann auch nach Dubai gehen. Man kann auch in Europa Plätze finden, Liechtenstein zum Beispiel.
Gerade weil wir nicht wissen, wie die Zukunft aussieht, würde ich nicht alles an einen Ort legen, sondern diversifizieren. Das hängt natürlich davon ab, wie man sein Geld verdient. Wer Produktionsstandorte in China hat, für den ist das etwas anderes, als wenn man gar keinen Bezug hat. Aber grundsätzlich: nicht alles auf einen Platz.

Timothea Imionidou
Vielen Dank. Danke, dass Sie mein Gast waren, dass Sie hier bei unserem Event sind und dass ich mit Ihnen sprechen konnte. Das hat mir großen Spaß gemacht.

Frank Sieren
Mir auch. Vielen Dank.

Timothea Imionidou
Und Ihnen natürlich wie immer vielen Dank fürs Zuhören und fürs Zusehen. Weitere Infos, noch mehr Podcasts und News gibt es online auf willipedia.plattes.net.

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: C. Schittelkopp

Podcast Jahr 2026 Mandelblüte 2026
Enzyklopädie-Übersicht

Alle Menschen sind klug.
Die einen vorher, die anderen nachher.

Die Kollegen freuen sich auf Ihre Beratungsanfrage.

Unsere Kompetenzzentren

Wissen | Networking

Beratungsanfrage

Vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Dienstleistungen.
Ein Experte aus dem zuständigen Kompetenzzentrum wird Ihre Anfrage bearbeiten und sich bei Ihnen melden.

Bitte beachten Sie unsere Honorare
Datenschutzhinweise ansehen
* Pflichtfelder

Beratungsanfrage

Bitte beachten Sie unsere Honorare
Datenschutzhinweise ansehen
* Pflichtfelder