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Schwarze Liste der Steuerschuldner in Spanien: Druckmittel mit Unterhaltungswert

Mit der alljährlichen Liste, die jetzt wieder veröffentlicht wurde, verstärken die Finanzbehörden den Druck auf die Steuerzahler. Der Erfolg ist umstritten.

01. Juli 2026

Das spanische Finanzamt setzt weiterhin auf das Instrument einer öffentlichen Schuldnerliste, um den Druck auf säumige Steuerpflichtige zu erhöhen. Die jährliche Liste, die der spanische Fiskus am 30. Juni veröffentlicht hat, fällt denn auch etwas kürzer aus als vor einem Jahr. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 standen demnach insgesamt 5.853 Personen und Unternehmen in dem öffentlichen Verzeichnis. Das entspricht einem Rückgang von 2,4 Prozent.

Der Schuldenberg schrumpfte rein rechnerisch um 4,4 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro – wobei diese Zahl Doppelungen enthält, weil teilweise sowohl Hauptschuldner als auch gesamtschuldnerisch Verantwortliche aufgeführt werden. Bereinigt um solche Doppelungen liegt der Betrag gegenüber dem Vorjahr sogar etwas höher.

Mehr Energie- statt Immobilienunternehmen auf der Liste

Die Liste – auf Spanisch “listado de deudores” – ist ein im spanischen Steuerrecht verankertes Transparenzinstrument. Die Agencia Tributaria veröffentlicht alljährlich ein Dokument, das Namen, Steuernummer sowie Schulden von Personen und Unternehmen ausweist, um so den Druck auf säumige Zahler zu erhöhen. Schon die Aussicht auf einen Namenseintrag soll Schuldner zur Nachzahlung anspornen. Viele spanische Medien veröffentlichen denn auch das komplette Dokument der Steuerbehörde. 

Aufgenommen werden offene Steuerschulden und steuerliche Sanktionen von mehr als 600.000 Euro, sofern sie nach Ablauf der freiwilligen Zahlungsfrist nicht beglichen wurden, zum 31. Dezember 2025 noch ausstanden und weder gestundet noch aus rechtlichen Gründen ausgesetzt waren. Zudem müssen die Forderungen bestandskräftig beziehungsweise endgültig festgestellt sein. Bei Steuerfestsetzungen im Zusammenhang mit Steuerdelikten ist grundsätzlich eine rechtskräftige strafrechtliche Verurteilung erforderlich. Wer die offenen Beträge vor Veröffentlichung vollständig begleicht, kann von der Liste gestrichen werden.

Unter den diesmal insgesamt 5.853 gelisteten Schuldnern befinden sich 4.742 juristische Personen. Das entspricht gut 80 Prozent. Standen über viele Jahre vor allem Bau- und Immobilienunternehmen im Vordergrund, insbesondere als Folge der Immobilienkrise nach 2008, rücken nun Energie- und Kraftstoffhändler stärker in den Fokus. Hintergrund sind nach spanischen Medienangaben große Verfahren im Zusammenhang mit mutmaßlichem Umsatzsteuerbetrug.

Boulevard-Berichte und Kritikpunkte

Die Schuldnerliste ist nicht nur für das Finanzamt von großer Bedeutung. Steuerberatern und betroffenen Unternehmen dient sie unter anderem zur Einschätzung von Risiken und der Reputation. Die Medien wiederum finden in der alphabetisch geordneten, diesmal knapp 120 Seiten umfassenden Liste stets eine Reihe prominenter Vertreter etwa aus der Unterhaltungsbranche, die Probleme mit dem Fiskus haben.

Allerdings gibt es auch Kritik an der Liste: Die Gewerkschaft der Steuerfachbeamten (Gestha) fordert, die Liste um Angaben zu tatsächlich eingezogenen Beträgen, endgültigen Insolvenzen sowie Schulden zu ergänzen, die durch gerichtliche Entscheidung aufgehoben wurden. Bei einem erheblichen Teil der in der neuen Schuldnerliste aufgeführten Personen und Unternehmen handle es sich um Steuerpflichtige, bei denen es kaum realistisch erscheine, dass sie ihre Verpflichtungen gegenüber der öffentlichen Finanzverwaltung noch vollständig erfüllen könnten. 

Im Fall der Liste von 2025 seien letztendlich lediglich 220 Millionen Euro eingezogen worden. Das entspricht nur 1,4 Prozent des Schuldenbergs und zeige, dass das ursprüngliche Ziel der Schuldnerliste nicht erreicht werde. 

Die Liste ist hier einsehbar (externer Link, spanisch).

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