"Klarheit ist das wichtigste Element einer Transformation"
Özlem Dikmen steht seit April 2026 an der Spitze von Philip Morris Deutschland und begleitet einen der tiefgreifendsten Umbauprozesse der Branche hin zum Smoke-Free Geschäft. Beim Wirtschaftsforum NEU DENKEN 2026 im Castillo Hotel Son Vida in Palma war sie als Referentin auf der Bühne und anschließend zu Gast im Willi-pedia Podcast. Philip Morris unterstütze das 9. Wirtschaftsforum als Partner und war Gastgeber des Freitagabends im Restaurant Yara.
Im Gespräch mit Podcast-Produzentin Timothea Imionidou spricht Özlem Dikmen über die Frage, wie ein Unternehmen Transformation seines Kerngeschäfts gestalten kann. Sie erklärt, warum Philip Morris seit Jahren auf Forschung, Technologie und wissenschaftliche Daten setzt, welche Rolle erhitzter Tabak, E-Zigaretten und Nikotinbeutel in dieser Strategie spielen und weshalb rauchfreie Produkte aus ihrer Sicht zwar weniger schädlich, aber keinesfalls risikofrei sind.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Dikmen beschreibt, wie Philip Morris KI im Unternehmen einsetzt, unter anderem mit Copilot, internen KI-Funktionen und neu entwickelten KI-Agenten für den Arbeitsalltag. Dabei versteht der Konzern KI nicht als reines Einsparungsinstrument, sondern als Werkzeug, um Mitarbeiter zu entlasten, Prozesse effizienter zu gestalten und neue Kompetenzen im Unternehmen aufzubauen.
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Timothea Imionidou
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Willi-pedia Podcasts. Heute mal nicht aus unserem gewohnten Studio, sondern aus dem Castillo Hotel Son Vida in Palma. Denn hier findet das Wirtschaftsforum NEU DENKEN 2026 statt. Ich führe hier natürlich auch wieder tolle und spannende Gespräche mit ganz hervorragenden Gästen. Jetzt spreche ich mit Özlem Dikmen. Sie ist die Vorsitzende der Geschäftsführung von Philip Morris Deutschland. Hier auf dem Wirtschaftsforum geht es in unserem Gespräch um den Umbau von Philip Morris, eine rauchfreie Zukunft, Glaubwürdigkeit und Transformation in einer eher sensiblen Branche. Hallo Frau Dikmen, schön, dass Sie hier bei uns sind. Danke.
Özlem Dikmen
Danke vielmals.
Timothea Imionidou
Schön, dass Sie auf dem Event sind. Und natürlich auch schön, dass Sie sich jetzt die Zeit nehmen, um mit uns zu sprechen.
Özlem Dikmen
Sehr gerne. Danke.
Timothea Imionidou
Sie standen ja auch schon auf der Bühne. Philip Morris spricht von einer rauchfreien Zukunft. Das klingt zunächst ein bisschen wie ein Widerspruch: Philip Morris und rauchfreie Zukunft. Aber was bedeutet das konkret?
Özlem Dikmen
Die rauchfreie Zukunft ist für uns eine Reise der Transformation. Und diese Reise hat schon vor 16 Jahren begonnen. Sie bedeutet, dass wir weg von der Zigarette und hin zu rauchfreien Alternativen gehen. Das bedeutet auch weg von der Weltmarke Marlboro. Marlboro zählt heute noch zu den zehn größten Marken der Welt. Und wir sind sehr klar und sehr laut, weil rauchfreie Alternativen für Raucher besser sind. Das zeigen Forschung, Technologie und Wissenschaft.
Timothea Imionidou
Was sind das für Produkte? Wie kann man sich das vorstellen?
Özlem Dikmen
Wir sprechen in unserem Unternehmen über erhitzten Tabak, also IQOS. Wir haben auch Nikotinbeutel und verschiedene Marken. 2022 haben wir das Unternehmen Swedish Match gekauft. Dazu gehört unter anderem die weltweit bekannte Marke ZYN. Außerdem haben wir E-Zigaretten, zum Beispiel unsere Marke VEEV.
Timothea Imionidou
Sie haben gesagt, vor 16 Jahren hat es bereits begonnen. Im Bewusstsein ist dieses Thema rauchfrei, IQOS oder E-Zigarette bei vielen erst seit zwei oder drei Jahren präsent. Aber die Entwicklung und die Transformation haben schon viel früher begonnen.
Özlem Dikmen
Das Unternehmen war sehr klar: Die Verbrennung ist das Problem. Wenn man die Verbrennung durch Technologie vermeiden kann, entstehen viel weniger schädliche Stoffe im Dampf, zum Beispiel bei erhitztem Tabak oder bei E-Zigaretten. Und wenn ich viel weniger sage, meine ich viel weniger: bis zu 95 Prozent. Diese Produkte sind weniger schädlich, aber nicht risikofrei. Sie enthalten Nikotin und sind nicht für Nichtraucher gedacht. Das ist sehr wichtig, und das müssen wir alle verstehen.
Timothea Imionidou
Es geht also vor allem um Raucher, die normale Zigaretten rauchen, aber nicht aufhören können. Für sie ist das eine Alternative, weil es weniger schädlich ist.
Özlem Dikmen
Ja. Ich werde mit Zahlen und Fakten sprechen, denn das ist immer besser. Im Jahr 2030 wird es voraussichtlich 1,3 Milliarden Raucher geben. Das sind nicht meine Zahlen und nicht die Zahlen von Özlem, sondern Zahlen der Weltgesundheitsorganisation. Gestern haben wir im Forum über Akrasia gesprochen. Die Akrasia-Lücke bedeutet: etwas wissen, aber nichts tun.
Timothea Imionidou
Korrekt.
Özlem Dikmen
Wir hätten wegschauen können. Dann hätten diese Menschen weiter geraucht. Und Rauchen ist sehr, sehr schädlich. Aber wir haben vor 16 Jahren einen anderen Weg gewählt. Wir haben gesagt: Mit Technologie und Wissenschaft können wir diesen Rauchern alternative Produkte anbieten. Deshalb gibt es hier keine Akrasia, weil die Menschen es nicht wissen und deshalb nichts tun. Unsere Aufgabe, und das ist nicht nur unsere Aufgabe, sondern auch die Aufgabe der Regierung und der Regulierung, ist es, Raucher darüber zu informieren, dass es bessere Alternativen gibt, damit sie auf diese besseren Alternativen umsteigen können.
Timothea Imionidou
Sie haben es schon angesprochen: Regulierung durch die Regierung. Wie wichtig ist es, so einen Markt tatsächlich zu regulieren?
Özlem Dikmen
Die Regierungen sollten nicht wegschauen. Sie sollten immer auf Wissenschaft, Zahlen, Fakten und Forschung schauen. Wir müssen Rauchern diese Informationen weitergeben. Wir sind ein Tabakkonzern, und das ist immer sensibel. Es ist keine Werbung. Aber diese Menschen benötigen Wissen, damit sie diese Alternativen überhaupt wahrnehmen können.
Timothea Imionidou
Sie haben angesprochen, dass das alles auf wissenschaftlichen Daten basiert. Wie wichtig sind Transparenz und überprüfbare Fakten, damit dieser Wandel auch von außen nachvollziehbar wird?
Özlem Dikmen
Unsere Forschung und Wissenschaft sind dafür sehr wichtig. Ich möchte gerne auch über einige Zahlen sprechen. Wir haben in den letzten 15 bis 16 Jahren 16 Milliarden US-Dollar in diese Transformation investiert. Wir haben in Neuchâtel und in Singapur 1.500 Wissenschaftler und Experten, die jeden Tag daran arbeiten, diese Produkte besser zu machen. Diese Produkte sind zugelassen, nicht nur bei uns, sondern auch von Institutionen wie der Food and Drug Administration, der FDA, in Amerika. Auch Public Health England spielt in diesem Bereich eine wichtige Rolle. In Deutschland haben wir Gesundheitswarnungen auf den Packungen, die signalisieren, dass diese Produkte weniger schädlich sind. Das ist sehr wichtig. Diese Entscheidungen basieren auf Daten und Fakten. Und wenn sich jemand dafür interessiert: All diese Entscheidungen sind im Internet, auch auf unserer Website, veröffentlicht.
Timothea Imionidou
Also sehr transparent.
Özlem Dikmen
Wir laden jeden Experten ein, sich unsere Forschung und unsere Prüfungen anzuschauen und mit uns darüber zu sprechen.
Timothea Imionidou
Wenn man das jetzt noch weiterdenkt: Könnte es dann sein, dass Rauchen irgendwann nicht nur weniger schädlich, sondern vielleicht sogar gesund wird?
Özlem Dikmen
Das will ich nicht sagen. Denn diese Produkte enthalten Nikotin. Nikotin ist nicht risikofrei und Nikotin kann süchtig oder abhängig machen. Gut an diesen Produkten ist, dass die schädlichen Stoffe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Krebs erzeugen können, deutlich reduziert sind. Damit sind auch die Risiken für sehr schwere Krankheiten niedriger. Das muss man immer verstehen. Das Beste ist, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Die Alternative ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber wenn man nicht aufhören will, und wie ich gesagt habe, es gibt Raucher, die nie aufhören werden, weil sie sagen: Das ist mein Genuss. Zum Beispiel meine Mutter war eine solche Raucherin. Sie hat mir gesagt, sie wird nie aufhören. Deshalb habe ich sie auf IQOS umgestellt. Jetzt ist sie froh, der Arzt ist froh, mein Vater ist froh und ich bin froh.
Timothea Imionidou
Philip Morris verdient ja Geld daran, dass Menschen rauchen und damit, wenn man so will, ihre Gesundheit schädigen. Wäre es da nicht auch spannend oder gibt es solche Produkte bei Ihnen, die das Aufhören des Rauchens erleichtern? Zum Beispiel Nikotinpflaster oder Ähnliches. Wäre es nicht auch spannend, daraus ein Geschäft zu machen, wenn man ohnehin so ein großer Konzern ist?
Özlem Dikmen
Viele stellen diese Frage. Aber diese Produkte existieren seit Langem. Sonst würden wir heute nicht über diese 1,3 Milliarden Menschen sprechen. Die Gesundheitswarnungen sagen teilweise: Zigaretten töten oder Zigaretten erzeugen Krebs. Ich komme wieder auf Akrasia zurück. Die Menschen wissen das. Aber es ist ein Genuss. Zum Beispiel esse ich viel Zucker oder Schokolade. Ich weiß, dass zu viel Zucker oder Schokolade nicht gut ist. Aber ich esse es. Das ist mein Genuss.
Timothea Imionidou
Das ist so.
Özlem Dikmen
Und das ist meine Entscheidung. Ich werde weiter Schokolade essen, aber andere Dinge vielleicht besser machen.
Timothea Imionidou
Richtig. Es ist ja auch die Verantwortung jedes Einzelnen.
Özlem Dikmen
Wir sind erwachsen und können unsere Entscheidungen selbst treffen. Aber die Menschen haben jetzt alternative Produkte. Ich möchte noch über ein Thema sprechen. Unsere Konferenz heißt NEU DENKEN. Philip Morris ist ein klassischer Tabakkonzern. Aber wenn wir über diese Transformation sprechen, würde ich vier Firmen nennen, die mit Innovation innerhalb von zehn Jahren 10 Milliarden Umsatz erreicht haben: Amazon, Tesla, Meta und Philip Morris. Wir sind eine der vier Firmen, die mit Innovation 10 Milliarden Umsatz erreicht haben.
Timothea Imionidou
Das hat man gar nicht so auf dem Schirm. Bei den anderen, die Sie genannt haben, ist es klar. Aber bei Philip Morris denkt man daran nicht sofort. Sie haben vorhin schon gesagt, dass diese Transformation ein sehr langer Prozess ist. Wie geht so etwas los? Wie nimmt man alle mit, also Mitarbeiter, Partner und Öffentlichkeit, wenn sich die strategische Ausrichtung eines Unternehmens so grundlegend verändert?
Özlem Dikmen
Die Strategie war sehr klar. Wir haben immer gesagt: Wir würden Marlboro gerne im Museum sehen. Klarheit ist, glaube ich, das wichtigste Element einer Transformation. Dann haben wir uns auch ein Ziel gesetzt: Bis 2030 werden wir 66 Prozent des Umsatzes mit rauchfreien Produkten machen. Wenn man so klare Ziele hat, dann nimmt man die Organisation mit. Dann nimmt man alle Strategien und alle Märkte zusammen. Natürlich ist das eine sehr wichtige Reise. Man lernt viel und man macht viele Fehler. Aber wenn man keinen Plan B hat, hilft das. Wir müssen das schaffen. Und wir haben schon sehr viel geschafft.
Timothea Imionidou
Sehr viel geschafft, absolut. Das Thema KI wird hier auf dem Kongress ebenfalls viel besprochen. Das ist auch meine letzte Frage: Wie wird das Thema KI bei Ihnen im Unternehmen gehandhabt, umgesetzt und gesehen?
Özlem Dikmen
Wir beginnen mit unseren Mitarbeitern. Im Unternehmen haben wir KI sehr schnell adaptiert. Jetzt haben wir Copilot und andere KI-Funktionen intern. Natürlich schauen wir auf KI vor allem als Effizienztool, nicht als Einsparungsprogramm. Wir wollen nicht unsere Mitarbeiter reduzieren. Wir wollen unsere Mitarbeiter klüger machen.
Timothea Imionidou
Klüger machen und auch entlasten.
Özlem Dikmen
Ja, entlasten. Das ist der Blickwinkel, den unser Unternehmen eingenommen hat. Letzte Woche waren wir in Athen. Es war eine sehr große Konferenz mit 300 Personen aus der Europaregion. Gemeinsam haben wir online vier Agenten entwickelt, die uns im Alltag helfen werden. Es ist spannend.
Timothea Imionidou
Ohne geht es ja eigentlich auch gar nicht mehr.
Özlem Dikmen
Genau. Die Menschen müssen es anwenden, um es zu schaffen.
Timothea Imionidou
Absolut. Vielen lieben Dank, Frau Dikmen, dass Sie hier bei mir im Gespräch waren. Danke für das spannende Gespräch.
Özlem Dikmen
Danke vielmals. Sehr gerne.
Timothea Imionidou
Und Ihnen natürlich auch vielen lieben Dank fürs Zuhören und fürs Zusehen. Alle weiteren Informationen finden Sie auf willipedia.plattes.net.
Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: C. Schittelkopp
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