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„Wir stoppen Plastik, bevor es im Meer landet“

Felix Vieg, Referent beim Wirtschaftsforum NEU DENKEN 2026, über messbaren Impact, glaubwürdige Nachhaltigkeit und konkrete Unternehmenspartnerschaften.

Felix Vieg ist Partnerships Manager bei Plastic Fischer, einem Impact-Startup, das Plastikmüll dort bekämpft, wo ein großer Teil der Verschmutzung beginnt: in Flüssen. Mit einfacher, schwimmender Technologie wird Plastik aufgefangen, bevor es in die Ozeane gelangt. Gleichzeitig schafft Plastic Fischer vor Ort in Indien und Indonesien faire Arbeitsplätze und verbindet damit ökologischen mit sozialem Impact.

Das Gespräch wurde beim Wirtschaftsforum NEU DENKEN 2026 im Castillo Hotel Son Vida in Palma aufgenommen. Dort war Felix Vieg nicht nur Gast im Willi-pedia Podcast, sondern auch als Referent auf der Bühne vertreten.

Mit Podcast-Produzentin Timothea Imionidou spricht er darüber, warum Nachhaltigkeit nur dann glaubwürdig ist, wenn sie messbar, sichtbar und überprüfbar wird. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die viele Unternehmen beschäftigen: Wie lässt sich Impact-Sponsoring seriös gestalten? Wie vermeidet man Greenwashing? Und warum kann Engagement für Umweltschutz auch unternehmerisch sinnvoll sein?

Felix Vieg erklärt, wie Plastic Fischer jedes eingesammelte Kilogramm Plastik dokumentiert, warum lokale Teams der Schlüssel zum Erfolg sind und weshalb echte Impact-Partnerschaften mehr sind als klassische Spenden. Ein Gespräch über den Unterschied zwischen gut gemeinten Versprechen und echter Wirkung.

 

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28. Juni 2026

Timothea Imionidou
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Willipedia Podcasts. Mein Name ist Timothea Imionidou. Ich bin Podcast-Producerin der PlattesGroup. Heute senden wir einmal nicht aus unserem Studio, sondern wir haben uns hier auf dem Wirtschaftsforum NEU DENKEN 2026 im Castillo Hotel Son Vida unser kleines Studio eingerichtet und führen natürlich viele interessante Gespräche. So auch jetzt: Bei mir ist Felix Vieg. Er ist Partnerships Manager bei Plastic Fischer. Das Impact-Startup setzt dort an, wo ein großer Teil der Plastikverschmutzung beginnt: in Flüssen, bevor Abfall ins Meer gelangt. Auf dem Wirtschaftsforum NEU DENKEN geht es mit ihm um messbare Nachhaltigkeit, glaubwürdigen Impact und die Frage, wie Unternehmen durch konkrete Partnerschaften echte Wirkung erzielen können. Hallo und herzlich willkommen, Felix.

Felix Vieg
Danke für die Einladung.

Timothea Imionidou
Sehr gerne. Schön, dass du hier bei uns bist. Und natürlich auch schön, dass du hier auf dem Wirtschaftsforum bist. Plastic Fischer wird auf dem Forum als Impact-Startup besonders gewürdigt oder wurde besonders gewürdigt. Du hast es ja quasi schon hinter dir. Wie erklärst du in wenigen Sätzen, was Plastic Fischer tut und warum euer Ansatz so relevant ist?

Felix Vieg
Genau. Ganz einfach gesprochen: Wir stoppen Plastik in Flüssen mit einfacher, schwimmender Technologie, einer Barriere, die Plastik aufhält, bevor es in den Ozean gelangt. Und wir tun das, indem wir vor Ort in Indien und Indonesien würdige, fair bezahlte Jobs schaffen. Das heißt, wir formalisieren dort bestimmte Arbeitsplätze. Wir kombinieren also ökologischen und sozialen Impact.

Timothea Imionidou
Wie bist du in die Branche gekommen?

Felix Vieg
Ich habe vorher im Bereich Klimaschutz gearbeitet und bei einer spezialisierten Firma in Paris Due Diligence für Carbon Credits gemacht. Das heißt, ich habe genau angeschaut, welche Klimaschutzprojekte, die für Kompensation und für Beyond Value Chain Mitigation genutzt werden, funktionieren, wenn Unternehmen darüber nachdenken, CO₂ zu senken. Ich bin dann vom sehr unsichtbaren und komplizierten CO₂ zum sehr sichtbaren Plastik gewechselt, weil ich gerne mehr in die Richtung gehen wollte, wo man wirklich vor Ort ist und genau sieht, was passiert. Und das ist das Coole bei Plastic Fischer: Man sieht direkt einen Unterschied durch die eigene Arbeit und dadurch auch das eigene Wirken. Sehr konkret.

Timothea Imionidou
Absolut. Das ist wichtig, was ihr da tut. Euer Motto im Forum lautet sinngemäß: „Let’s make a real impact.“ Was bedeutet realer Impact für euch konkret?

Felix Vieg
Für uns bedeutet das, dass der Impact messbar und sichtbar ist. Sichtbarkeit hatten wir schon. Wir tracken aber auch jedes Kilogramm Plastik, das wir aus den Flüssen holen, mit einer Drittpartei-Software. Das heißt, wir können nachvollziehen, was passiert. Wenn wir dazu kommen, wie das finanziert wird, also über Unternehmenskooperationen und Sponsoring, können wir nachweisen und letztlich sogar dafür haften, dass wir das, was wir versprechen, auch tun. In dem Bereich, in dem wir aktiv sind, ist das, glaube ich, gar nicht immer so gegeben. Oft gibt es ein Projekt oder ein vages Versprechen, ein hehres Ziel, das man erreichen möchte. Aber es ist dann schwer, das auch wirklich zu erreichen. Reeller Impact passiert genau dann, wenn man sich Ziele setzt und diese auch wirklich umsetzt. Das klingt wie eine Plattitüde, aber ich glaube, dass wir das ganz gut können.

Timothea Imionidou
Genau das, was du sagst: nicht nur in der Theorie, sondern wirklich praktisch etwas bewegen. Viele Unternehmen möchten heutzutage nachhaltiger handeln, haben aber Sorge vor Greenwashing-Vorwürfen. Wie kann Impact-Sponsoring glaubwürdig gestaltet werden? Einen Punkt hast du ja schon angesprochen: dass ihr alles dokumentiert.

Felix Vieg
Genau. Wir haben die Full Chain of Custody, sagen wir. Das heißt, wir sind auditierbar. Unsere Unternehmenspartner können ihre Unterstützung ebenfalls auditieren lassen, und das machen sie auch erfolgreich. Andererseits setzen wir auf ein ganz einfaches Mittel: faktenbasierte Kommunikation. Das heißt, wir versprechen keine Labels oder Rankings und verleihen keine Medaillen nach dem Motto: Ihr seid jetzt das grünste und nachhaltigste Unternehmen. Stattdessen fokussieren wir uns auf das Engagement, das wir gemeinsam mit den Unternehmen umsetzen können, und tragen das auch nach außen. Damit ist man eigentlich schon sehr sicher. Ein großer Plastikproduzent kann mit einem Fünf-Kilo-Sponsoring für fünf Euro nicht glänzen. Das funktioniert nicht. So ist das Problem für uns gut geregelt. Wir begleiten die Unternehmen aber auch in der Kommunikation. Das heißt, wir haben Kommunikations-Guidelines und Materialien, die die Unternehmen direkt einsetzen können. Dadurch schützen wir die Reputation unserer Unternehmenspartner und natürlich auch unsere eigene.

Timothea Imionidou
Absolut. Wenn wir auf eure Einsatzregionen schauen: Welche Rolle spielen lokale Teams und lokale Strukturen für euch?

Felix Vieg
Die allerwichtigste. Wir sind tatsächlich nur drei Vollzeitstellen in Deutschland, aber 100 in Indien und Indonesien. Das heißt, wir setzen ganz gezielt auf lokales Ownership. Wir rekrutieren unsere Angestellten auch aus den betroffenen Communities und geben ihnen Vollzeitjobs. Genau da setzen wir zu 100 Prozent an: dass das Problem auch vor Ort gelöst wird.

Timothea Imionidou
Nachhaltigkeit wird ja oft als Kostenfaktor betrachtet. Wie argumentierst du, oder wie argumentiert ihr, gegenüber Unternehmen, dass messbarer Umweltschutz auch strategisch sinnvoll ist?

Felix Vieg
Wir reden wenig um den heißen Brei herum. Mit uns verdient man kein Geld, sondern man gibt Geld aus. Aber es gibt natürlich sekundäre Benefits, und die sehen wir vor allem in drei Feldern. Das erste ist messbares CSR-Engagement und Nachhaltigkeits-KPIs, die man für den Nachhaltigkeitsbericht nutzen kann. Das zweite ist Employer Branding. Das ist in einem War for Talent und in einem globalen Arbeitsmarkt wichtig, weil man zeigen und beweisen kann, dass man als Unternehmen über gesetzliche Anforderungen hinausgeht und sich wirklich engagiert. Das dritte ist Marketing: Man kann Geschichten erzählen, basierend auf dem Engagement mit Plastic Fischer, ohne in Greenwashing zu geraten. Man kann tolle Storys erzählen, transformative Geschichten, Geschichten übers Tun statt nur übers Reden und so weiter. Da ist viel Musik drin. Und es lässt sich auch messen, dass der Content bei unseren Partnern sehr gut geklickt wird.

Timothea Imionidou
Welche Unternehmenstypen oder Branchen sind denn hauptsächlich an einer Kooperation mit Plastic Fischer interessiert?

Felix Vieg
Das haben wir uns angeschaut. Es ist sehr schwer zu sagen, weil es sehr breit ist. Wir haben einerseits sehr viele Ozeanliebhaber, die das teilweise auch wirklich in ihrer Geschäftsstrategie haben. Die Allianz hat zum Beispiel Ocean Resilience in der Konzernstrategie und ist ein Partner von uns. Dann haben wir Unternehmen, die aus dem Generationengedanken kommen, also Mittelstand und Familienunternehmen, die das aus Überzeugung angehen. Und natürlich haben wir auch Unternehmen, die mit Plastik oder Polymeren arbeiten und sagen: Wir sind uns der negativen Konsequenzen bewusst, die es neben all der Convenience auch gibt, und wir möchten das sinnvoll angehen, ohne im Symbolischen zu verbleiben. Also sehr breit.

Timothea Imionidou
Sehr breit, ja. Das finde ich interessant. Das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist mittlerweile wirklich bei allen angekommen. Das Problem ist oft, dass man als Unternehmen nicht richtig weiß: Wo kann man unterstützen? Was kann man konkret tun?

Felix Vieg
Das ist auf jeden Fall ein Thema. Und in der Vergangenheit gab es auch Enttäuschungen und falsche Versprechungen. Denken wir an das Thema Klimaneutralität, Klimazertifikate oder Neutralitätslabel. Da hat man sich, glaube ich, ein Stück weit auch die Finger verbrannt und fragt sich jetzt: Wem kann man wirklich vertrauen? Wer tut das, was er sagt? Deswegen setzen wir auf volle Transparenz. Wir kommunizieren sehr viel von on the ground mit ungeschnittenen Videoformaten. Wir haben das Tracking, und wir haben Projektpartner, die auch vor Ort mit uns kommen, um zu sehen, was wir tun. Das ist unser Push.

Timothea Imionidou
Was unterscheidet denn eine echte Impact-Partnerschaft von einer klassischen Spende?

Felix Vieg
Bei uns darf man eine Gegenleistung erwarten. Das ist sozusagen die Unterscheidung, die der deutsche Staat im Steuerrecht macht. Wir sind auch steuerlich absetzbar, einfach als Kosten, als Marketingausgabe oder Sponsoring. Nur dürfen wir eine Gegenleistung erbringen. Das bedeutet: Wir dürfen diese Daten weitergeben, Marketingmaterial liefern, gemeinsam eine Geschichte erzählen und ein Stück weit, wenn man so will, auch für die Marken werben, die uns unterstützen.

Timothea Imionidou
Dann kommen wir schon zu meiner letzten Frage. Wenn du auf die Zukunft von Plastic Fischer schaust: Was steht da an? Was sind eure nächsten Ziele? Wie geht es in den nächsten ein bis fünf Jahren weiter?

Felix Vieg
Plastic Fischer gibt es jetzt seit sieben Jahren. Wir sehen, dass die Technologie, die wir einsetzen, und die Möglichkeit, das zu skalieren, funktionieren. Wir sind inzwischen an über acht Standorten aktiv und haben gerade die Marke von drei Millionen Kilogramm geknackt. Jetzt geht es darum, diese Skalierung weiter voranzutreiben und vor allem auf ein Niveau zu heben, das dem Problem wirklich angemessen ist. Das geht, glaube ich, über Unterhaltungen, die sowohl in Richtung Sponsoring gehen als auch in Richtung Impact Investment.

Timothea Imionidou
Vielen lieben Dank, Felix, dass du hier bei mir warst. Und danke, dass du hier bei NEU DENKEN bist.

Felix Vieg
Es macht sehr viel Spaß. Danke schön.

Timothea Imionidou
Und Ihnen natürlich auch wieder vielen Dank fürs Zuschauen und fürs Zuhören. Alle weiteren Infos wie immer auf willipedia.plattes.net.

 

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: ff

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