Feuer am Horizont – und was das für Mallorca bedeutet
19. März 2026
I. Ein Krieg, der weiter weg erscheint, als er ist
Ich frage mich manchmal, wie viele meiner Mandanten in diesen Tagen ihre Morgenlektüre mit einem Blick auf die Ölpreise beginnen – und nicht mehr nur auf den DAX oder die balearischen Immobilienindizes. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Weltkarte neu gezeichnet. Nicht militärisch allein, sondern wirtschaftlich, psychologisch, strategisch.
Was sich vor wenigen Wochen noch wie eine Meldung aus einer fernen Region anfühlte, ist längst zu einer globalen Gemengelage geworden, die auch unsere kleine Insel im westlichen Mittelmeer berührt. Mallorca ist kein politischer Akteur in diesem Konflikt. Aber Mallorca ist Teil einer Welt, die durch Energiepreise, Investorenverhalten und Mobilitätsströme miteinander verbunden ist – ob wir wollen oder nicht.
II. Was der Botschafter der VAE in Berlin sagt
Kein anderes Land wird in diesem Krieg so massiv angegriffen wie die Vereinigten Arabischen Emirate. Mehr als 1.900 Drohnen und Hunderte Raketen hat der Iran bislang auf die Emirate abgefeuert – auf Wohngebäude, Flughäfen, zivile Infrastruktur. Ahmed Alattar, der Botschafter der VAE in Deutschland, sprach kürzlich im Handelsblatt Klartext:
„Wir befinden uns in einer defensiven Haltung und behalten uns das volle Recht auf Selbstverteidigung nach internationalem Recht vor.“
Was mich an diesem Satz besonders beschäftigt: Er ist nicht der Satz eines Landes, das Eskalation sucht. Er ist der Satz eines Landes, das jahrelang Brücken gebaut hat – zu Investoren, zu Touristen, zu westlichen Partnern – und das nun feststellen muss, dass geografische Nachbarschaft eine Hypothek sein kann.
Auf die Frage, ob die Emirate ihre Auslandsinvestitionen zurückfahren würden, antwortete Alattar unmissverständlich:
„Wir halten weiterhin uneingeschränkt an der globalen Investitionsstrategie fest. Unsere internationalen Partnerschaften und Investitionen sind langfristig angelegt und basieren auf wirtschaftlichen Fundamentaldaten, nicht auf kurzfristigen Entwicklungen.“
Das ist eine wichtige Botschaft. Nicht nur für Dubai, sondern für jeden, der die Emirate als Gegenüber in einer globalisierten Welt versteht.
III. Die Straße von Hormus und unser Frühstückstisch
Die Straße von Hormus - für viele ist das ein geografischer Begriff aus dem Erdkundebuch. Für die Weltwirtschaft ist es eine Lebensader. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Flüssiggashandels läuft durch diese Meerenge - täglich, still, unsichtbar. Solange sie offen ist.
Alattar formulierte es nüchtern: Eine Blockade hätte „unmittelbare und dramatische Auswirkungen“ auf die Weltwirtschaft. Was das konkret bedeutet: steigende Energiepreise, verteuerte Logistik, gedämpftes Investitionsklima. Das spürt man nicht sofort auf den Straßen in Palma - aber es kommt an.
Höhere Treibstoffkosten machen Flüge teurer. Teurere Flüge verändern das Buchungsverhalten. Das veränderte Buchungsverhalten landet irgendwann als Statistik auf dem Schreibtisch des balearischen Tourismusministeriums.
IV. Mallorca – vorsichtig gesprochen
Ich wähle meine Worte hier bewusst sorgfältig. Es wäre geschmacklos, von einem Krieg zu profitieren – und es wäre auch analytisch unredlich, einfache Kausalitäten zu konstruieren, wo die Realität komplexer ist.
Aber es gibt eine Beobachtung, die ich mir erlaube: Unsicherheit in einer Region lenkt Kapital und Menschen in andere Regionen. Das ist kein Wunschdenken, das ist schlicht das historische Muster.
Mallorca - und Spanien insgesamt - steht für politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, geografische Sicherheit und eine Lebensqualität, die international ihresgleichen sucht. Für vermögende Privatpersonen, Familienunternehmen und Investoren aus dem arabischen Raum, aber auch aus anderen krisennahen Regionen, könnte die Iberische Halbinsel an Attraktivität gewinnen. Nicht weil Mallorca besser geworden ist – sondern weil die Vergleichsalternativen gerade komplizierter erscheinen.
Das gilt für Immobilieninvestments, für die Verlagerung von Vermögensstrukturen, für Aufenthaltskonzepte. Ich sage das nicht als Werbebotschaft für unsere Branche – sondern weil es eine reale Entwicklung ist, die wir nüchtern zur Kenntnis nehmen sollten.
V. Zwei Regionen, die sich helfen könnten
Was mich beim Lesen des Interviews mit Botschafter Alattar wirklich bewegt hat, war nicht der Ton der Verteidigung – sondern der Ton der Vernunft. Ein Land, das von Dialog spricht. Das betont, geografische Nachbarschaft lasse sich nicht wegdenken. Das trotz allem an langfristigen Partnerschaften festhält.
Ich frage mich, ob das nicht eine Einladung sein könnte – auch an uns im Mittelmeerraum. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben in wenigen Jahrzehnten etwas aufgebaut, das wir in Europa Generationen lang für selbstverständlich hielten: wirtschaftliche Offenheit, internationale Vernetzung, ein Verständnis dafür, dass Wohlstand durch Verbindungen entsteht.
Mallorca hat andere Qualitäten zu bieten: eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft, ein Rechtssystem, das im europäischen Rahmen verankert ist, eine Infrastruktur für das gute Leben. Jede Region hat ihre eigenen Stärken – und vielleicht ist es gerade jetzt, in Zeiten globaler Erschütterungen, der richtige Moment, gemeinsam darüber nachzudenken, wie man sich gegenseitig stützen kann.
Das ist keine politische Forderung. Das ist eine Idee. Eine, die ich gerne weiter diskutieren würde.
VI. Was bleibt
Botschafter Alattar wurde gefragt, ob der Krieg ein Fehler war. Seine Antwort lautete: „Alle Kriege sind zutiefst bedauerlich und sollten nach Möglichkeit stets vermieden werden.“ Ein einfacher Satz. Und trotzdem einer, der in seiner Schlichtheit mehr aussagt als manche politische Analyse.
Ich schreibe diesen Essay nicht als Experte für Geopolitik - das bin ich nicht. Ich schreibe ihn als jemand, der täglich sieht, wie globale Entwicklungen das Leben und die Entscheidungen von Menschen berühren, die auf Mallorca wohnen, investieren oder leben wollen.
Der Krieg im Iran ist weit weg. Und er ist näher, als wir denken. Die richtige Haltung ist weder Gleichgültigkeit noch Alarmismus. Sondern aufmerksames Hinschauen, nachdenkliches Einordnen – und vielleicht der eine oder andere Gedanke darüber, welche Brücken man bauen könnte, bevor man sie braucht.
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