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Tradition trifft Zukunft – ein Gespräch mit Nadja Swarovski

Wie Werte, Nachhaltigkeit und Empowerment ein globales Familienunternehmen prägen.

In dieser Podcastfolge spricht Timothea Imionidou mit Nadja Swarovski über den Weg einer Unternehmerin, die Verantwortung von Kindheit an erlebt hat. Aufgewachsen im Umfeld der Produktion, Maschinen und Kristalle, beschreibt sie, wie ihr Familienerbe früh ein tiefes Bewusstsein für Qualität, Verantwortung und Innovation geprägt hat.

Im Gespräch wird deutlich, welchen Einfluss Tradition auf modernes Unternehmertum hat und wie wichtig es ist, Werte aktiv weiterzutragen. Ein Schwerpunkt liegt auf Nachhaltigkeit: Swarovski investiert seit Jahrzehnten in umweltfreundliche Produktion, transparente Lieferketten und chemische Innovationen. Sie erklärt, warum echte Nachhaltigkeit nur funktioniert, wenn Ingenieurskunst, langfristige Entscheidungen und offene Kommunikation zusammenkommen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist Human Empowerment. Sie berichtet von internationalen Kooperationen, etwa mit dem UN Women Empowerment Program, und darüber, wie wichtig Netzwerke, Bildung und gegenseitige Unterstützung sind. Besonders eindrücklich ist ihre Beobachtung, dass Frauen oft härter arbeiten müssen, gleichzeitig aber zu selten auf starke Netzwerke setzen. Ihr Motto „Collaboration versus Competition“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Folge.

Für junge Unternehmerinnen, Investoren oder alle, die gesellschaftlich etwas bewegen möchten, gibt sie klare Impulse: Wissen aneignen, Fragen stellen, aktiv Netzwerke aufbauen und sich mit Themen beschäftigen, die wirklich bewegen. Denn nur durch persönliche Leidenschaft entsteht nachhaltige Entwicklung.

Eine inspirierende Episode über Verantwortung, Mut zur Veränderung und die Kraft von Werten im globalen Business.

Dieser Podcast wurde beim PlattesGroup-Event NEU DENKEN 2025 aufgezeichnet, bei dem Nadja Swarovski eine der Referentinnen war.

Auch 2026 findet unser Wirtschaftsforum NEU DENKEN natürlich wieder statt, mit hochkarätigen Sprechern und informativen Vorträgen, zur Anmeldung geht es hier.

 

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10. Dezember 2025

Timothea Imionidou
Hallo Frau Swarovski, ganz toll, dass Sie heute bei mir sind. Sie waren das erste weibliche Vorstandsmitglied in einem Familienunternehmen mit über hundertjähriger Geschichte. Wie prägt einen diese Verantwortung – gerade im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch?

Nadja Swarovski
Also ich glaube, als Familienmitglied – wo dein Nachname auch der Name des Unternehmens ist – prägt die Verantwortung sehr stark. In meinem Fall: Mein Vater war fünfzig Jahre lang zuständig für die Produktion. Ich habe eine ältere Schwester, wir lebten neben der Fabrik. Wir mussten die Wochenenden in der Fabrik verbringen. Mein Vater hat uns immer mitgenommen. Wir mussten die Maschinen anschauen, mit den Arbeitern reden usw. Und das hat einen sehr starken Sinn für Stolz entwickelt.Zu sehen, wie sich Diskussionen, die mein Vater mit Wissenschaftlern oder Technikern geführt hat, schließlich in ein fantastisches Produkt verwandelt haben – das war natürlich für uns Mädchen, für meine Schwester und mich, etwas Besonderes. Mit diesen „Edelsteinen“, also den Kristallen, zu spielen, war Wahnsinn.

Timothea Imionidou
Hatten Sie als Kind das Gefühl, wirklich dabei zu sein?

Nadja Swarovski
Absolut. Für mich war das die Norm. Und irgendwann wurde mir klar: Nein, nicht jeder wächst so auf. Als ich schließlich raus bin aus Österreich – nach Deutschland, dann in die USA – wurde mir bewusst, wie wenig die Menschen über Swarovski wissen. Die Leute konnten den Namen nicht aussprechen, vor allem die Amerikaner. Das wurde eine riesige Motivation für mich, ihnen beizubringen, wie Swarovski ausgesprochen wird, woher wir kommen und wie schwer es eigentlich ist, Kristall herzustellen.
Die ganze Glasproduktion – wir hatten unser Familien-Know-how, eine geheime Formel. Und ich dachte mir immer: Wenn man den Kunden zeigen kann, wie etwas gemacht wird, steigt die Wertschätzung des Kristalls. Dann gilt das Produkt als vollkommen. Und für mich war es wichtig, auch die Nachhaltigkeit hineinzubringen. Wir kommen aus Tirol, aus den Bergen. Die Familie hat sich wahnsinnig engagiert, das Produkt nachhaltig zu produzieren und gleichzeitig die Umgebung nicht zu verschmutzen.
Nachhaltigkeit bedeutet natürlich Investitionen. Zeit und Geld. Das macht man, wenn man ein Familienunternehmen mit Werten führt.

Timothea Imionidou
Das heißt, Sie haben das von Grund auf mitbekommen? Oder gab es irgendwann einen Wandel, wo Sie gesagt haben: Das ist jetzt unser Fokus?

Nadja Swarovski
Ich habe es von Grund auf mitbekommen. Aber als ich im Unternehmen tätig war, die Kommunikation geleitet habe und meine eigene Marke „Atelier Swarovski“ aufgebaut hatte, wurde mir bewusst: Moment, niemand weiß eigentlich, dass wir nachhaltig sind.
Ich habe dann die Sustainability-Abteilung gegründet. Mit diesem Team haben wir uns um Zertifizierungen bemüht. Maschinen wurden zertifiziert, Produkte wurden zertifiziert. Chemikalien, die nicht umweltfreundlich waren – wie Blei oder Cadmium – wurden entfernt. Auch die Fabriken in Thailand und Vietnam wurden zertifiziert. Es ist gut, diese Zertifizierungen zu haben und darüber einen Sustainability Report zu veröffentlichen, der Transparenz schafft.
Bei Swarovski war es eigentlich leicht, diese Zertifizierungen zu bekommen, denn wir waren schon nachhaltig. Es wurde nur nie kommuniziert. Das war aber von Anfang an wichtig.
Ich schätze die Ingenieure, besonders die chemischen. Da liegt wirklich die Lösung. Ich vertraue da sehr auf menschliche Intelligenz, um Lösungen für Umweltprobleme zu finden. Und für uns als Marke war es wichtig, das den Kunden zu kommunizieren. Transparenz schafft Vertrauen. Wenn Kunden sehen, dass du jährlich oder alle zwei Jahre deinen Nachhaltigkeitsreport veröffentlichst und über Natur, Equality, Menschenrechte sprichst, dann schätzen sie das.
Wenn du zwei Marken vor dir hast, die dasselbe Produkt machen, wähle ich persönlich immer die, die für etwas steht.

Timothea Imionidou
Das eine ist ja, das Produkt nachhaltig zu machen. Das andere ist, dass die Menschen auch davon wissen.

Nadja Swarovski
Genau. Kommunikation ist enorm wichtig. Ich habe unter anderem eng mit Penelope Cruz gearbeitet. Sie hat mich kontaktiert und gefragt, ob sie mit uns arbeiten kann. Das war eine sehr leichte Antwort: Ja, gerne. Sie hat verstanden, welche Werte wir haben und wofür wir stehen. Empowerment und Umweltschutz waren für sie große Themen.
Wir haben mehrere Kollektionen entwickelt. Die Gewinne dieser naturbasierten Produkte gingen an verschiedene Organisationen wie The Nature Conservancy und deren Wiederaufforstungsprogramme in China oder Brasilien. Das Produkt wurde ein Kommunikationsvehikel. Es hat die Story erzählt – logisch, nicht überwältigend. Für Kunden war es sehr empowering zu verstehen: Woher kommt dieses Produkt? Wofür steht es? Wohin fließt das Geld?

Timothea Imionidou
Also Transparenz ist ein zentraler Punkt. Sie haben auch Female Empowerment angesprochen. Sie fördern gezielt Frauen in Führungsrollen – als Mentorin oder Investorin. Was braucht es denn heute, um als Frau in Wirtschaft oder Politik Einfluss zu nehmen?

Nadja Swarovski
Nummer eins – das sage ich immer meinen Kindern – ist Bildung. Niemand kann dir Bildung nehmen. Dann Arbeitserfahrung. Man braucht Fakten, die man kommunizieren kann.
Und ich finde es enttäuschend, dass Frauen sich oft nicht genug gegenseitig unterstützt haben. Ich habe miterlebt, dass Frauen oft härter arbeiten müssen, länger arbeiten müssen, mehr beweisen müssen als Männer. Sie haben nicht diese gegenseitige Unterstützung, die Männer einander geben.
Ich habe einen Kurs in Harvard gemacht, der heißt "Women on Boards". Am Ende des Kurses wurde uns gesagt: „Ladies, welcome to the club. You are now connected to so many women around the world.“ Dieses Netzwerk haben Frauen oft nicht. Und sie fokussieren auch nicht darauf. Ich glaube aber, die neue Generation ist besser, weniger konkurrenzgetrieben.

Timothea Imionidou
Warum ist das so? Konkurrenz? Natur?

Nadja Swarovski
Ich glaube, es liegt in unserer Natur. Aber wir sind eine entwickelte Spezies. Wir müssen nicht so miteinander konkurrieren. Es ist schön, andere erfolgreiche Frauen zu sehen. Man sollte sich gegenseitig unterstützen. Mein Motto war immer: Collaboration versus Competition. Mit guter Zusammenarbeit kommt man viel weiter.

Timothea Imionidou
Und Bildung ist der Grundstein. Dadurch wird man selbstbewusster, man präsentiert sich anders. Sie engagieren sich weiterhin in der Swarovski Foundation. Welche Projekte liegen Ihnen aktuell besonders am Herzen?

Nadja Swarovski
Ich habe mich vor vier Jahren aus allen Tätigkeiten zurückgezogen. Aber ich habe die Foundation gegründet. Wir haben drei Säulen etabliert: Umwelt, Human Empowerment und Bildung.
Beim Human Empowerment war der erste Schritt eine Allianz mit dem UN Women Empowerment Program. Und das Wichtigste war die Botschaft: „We are here to support women – that does not mean we are anti-men. We are here for mankind, for kindness.“ Das ist total wichtig.

Timothea Imionidou
Absolut. Es geht ja nicht darum, Männer klein zu halten.

Nadja Swarovski
Nein, überhaupt nicht. Man will die guten Leute unterstützen – egal ob Mann oder Frau.

Timothea Imionidou
Zum Abschluss: Welchen Rat würden Sie jungen Unternehmerinnen oder Investorinnen geben, die gesellschaftlich etwas bewegen möchten?

Nadja Swarovski
Es ist fantastisch, wie viel Information heute verfügbar ist – literally at your fingertips. Man muss nur recherchieren. Fragen stellen. Leute kennenlernen. Feedback holen. Und zueinander stehen.
Und noch etwas: Man sollte sich mit Dingen beschäftigen, für die man eine echte Affinität hat und die einen persönlich interessieren. Nur so entwickelt man sich schneller und mit mehr Energie.

Timothea Imionidou
Sie haben heute auch in Ihrem Vortrag gesagt, dass Sie das Ihren Kindern mitgeben: Mach das, was dir liegt. Dadurch fühlst du dich gut.
Vielen lieben Dank, Frau Swarovski.

Nadja Swarovski
Danke Ihnen.

 

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: Nils Gießler

 

 

 

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