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„Wir sind Marathonläufer, keine Sprinter“

Marcel Dillier, Partner bei LGT Capital Partners, spricht mit Willi Plattes, CEO der PlattesGroup über die "fürstliche Strategie", Private Equity und Chancen in Krisenzeiten. Die Privatbank LGT ist beim Wirtschaftsforum NEU DENKEN dabei.

120 Milliarden US-Dollar verwaltetes Vermögen, globale Investmentzentren und eine Strategie, die auf Diversifikation, Langfristigkeit und Familienwerten basiert: In dieser Folge des Willi-pedia Podcasts führt Willi Plattes, CEO der PlattesGroup, ein Gespräch mit Marcel Dillier, Partner bei LGT Capital Partners und Chartered Financial Analyst (CFA). Marcel Dillier beschäftigt sich aus professioneller Perspektive mit Investmentthemen, Kapitalmarktfragen und langfristigen Anlagestrategien.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Vermögen in volatilen Zeiten stabil, breit diversifiziert und zukunftsorientiert investiert werden kann. Marcel Dillier gibt Einblicke in die sogenannte fürstliche Strategie, die ihren Ursprung in der Eigentümerfamilie der LGT Gruppe hat. Die LGT Capital Partners gehört zur LGT Gruppe, deren Eigentümer das Fürstenhaus von Liechtenstein ist.

Das Gespräch beleuchtet unter anderem globale Marktchancen, Private Equity, die Bedeutung von Daten und Analyse, den Einfluss künstlicher Intelligenz auf Investmententscheidungen sowie die Rolle von Unternehmenskultur und Reputation. Besonders deutlich wird: Langfristigkeit, Stabilität und ein klarer Wertekompass sind zentrale Elemente der Strategie.

Auch die Verbindung zum Wirtschaftsforum NEU DENKEN spielt eine wichtige Rolle: Die LGT Bank ist dort vertreten und bringt ihre Perspektive als international verankertes Finanzhaus in den Austausch ein.

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20. Mai 2026

Willi Plattes
Seien Sie gegrüßt, Herr Dillier. Das ist ja ein Hintergrund, den Sie haben, der stark nach Liechtenstein oder Schweiz aussieht. Wo darf ich Sie begrüßen?

Marcel Dillier
Sie dürfen mich heute im Homeoffice begrüßen. Wir haben einen Tag Homeoffice in der Woche, und das ist heute. Deshalb habe ich gedacht, für diesen Tag bleibe ich zu Hause.

Willi Plattes
Vielen Dank. Das hört sich gut an. Ich begrüße Sie aus unserem Studio auf der schönsten Insel der Welt. Und ich freue mich ganz besonders, Sie als Vertreter des Premium Sponsors bei unserem Wirtschaftsforum NEU DENKEN zu begrüßen. Ich denke, Sie haben uns, den Zuschauern und allen, die dabei sind, gemeinsam mit den Referenten ganz wichtige Dinge zu vermitteln. Dinge, die Sie bewegen und natürlich auch Ihr Unternehmen, das Sie vertreten. Das Programm unseres Wirtschaftsforums sagt es ja bereits: NEU DENKEN in diesen volatilen Zeiten. Ich glaube, dass Sie genau das sehr gut vermitteln können. Deshalb freue ich mich sehr, Herr Dillier, Sie als Spezialisten für diesen Bereich begrüßen zu dürfen.

Marcel Dillier
Vielen Dank.

Willi Plattes
Erzählen Sie bitte einmal die Geschichte darüber, was Sie bei der LGT machen, wo wir Sie einordnen können, was Sie erklären möchten und wie Ihr Marktzugang sowie Ihre Marktbeobachtungen sind.

Marcel Dillier
Ich bin jetzt seit 20 Jahren bei der LGT Capital Partners. Ich bin dort Partner. Wenn man aber auf die Stufen Managing Partner, Partner und Principal schaut, dann gehöre ich zu den Jüngeren. Die LGT Capital Partners gibt es seit circa 27 Jahren. Die durchschnittliche Zugehörigkeit auf diesen Stufen liegt bei mehr als 20 Jahren. Wir predigen also nicht nur Langfristigkeit, wir leben sie auch. Wir sind Teil der LGT Gruppe, die der Fürstenfamilie von und zu Liechtenstein gehört. Unsere Schwestergesellschaft ist das Private Banking. Wir als Capital Partners produzieren Anlagelösungen, vermarkten diese Anlagelösungen und betreuen die Kunden dementsprechend. Der Startzeitpunkt von all dem, was wir tun, war im Jahr 1998. Damals starteten wir mit den sogenannten Anlagelösungen der fürstlichen Strategie. Das ist die Mutter von all dem, was wir heute tun. Heute verwalten wir weltweit über 120 Milliarden an Vermögenswerten, mehrheitlich für sogenannte institutionelle Kunden: Pensionskassen, Versicherungen, staatsnahe Organisationen und Family Offices. Wir dürfen aber auch die Kunden unserer Schwestergesellschaft im Private Banking mit unseren Anlagelösungen betreuen. Wir haben 16 Standorte weltweit. Der Hauptsitz ist in der Schweiz, in der Nähe von Zürich. Wir beschäftigen circa 1.000 Mitarbeiter an diesen 16 Standorten mit über 70 Nationalitäten. Wir sind also sehr breit aufgestellt, auch was die Nationalitäten betrifft. Das ist eine kurze Zusammenfassung von uns.

Willi Plattes
Sehr beeindruckend. 120 Milliarden Anlagevolumen, weltweit tätig, und der Ursprung liegt in europäischen Wurzeln, in Liechtenstein?

Marcel Dillier
Ja, das kann man so sagen. Wir haben unsere Wurzeln in Europa und in Liechtenstein.

Willi Plattes
Also auch die kulturellen Dinge, die für mein Verständnis sehr wichtig sind. Denn die Strategie, die die Eigentümerfamilie hat, tragen Sie ja weiter in die Welt.

Marcel Dillier
Das ist so. Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen. Wir haben einen Wertekompass, und den tragen wir weiter in die Welt. Dazu gehört unter anderem die Langfristigkeit, die ich bereits erwähnt habe. Dazu gehört auch, dass der Kunde im Mittelpunkt von allem steht, was wir tun. Und natürlich gehört dazu auch die Kultur, die wir als Unternehmen haben. Wir sagen immer: Wir haben eine „No asshole policy“. Das ist uns sehr wichtig. Wir sind ganz normale Menschen, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen wollen und das auch tun.

Willi Plattes
Also der Wertekompass eines Familienunternehmens. Und genau das betrifft auch die Menschen, die bei unserem Wirtschaftsforum NEU DENKEN sind. Erzählen Sie uns bitte einmal: 120 Milliarden, Wertekompass, europäische Wurzeln. Was sind Ihre Anlageentscheidungen? Wie gehen Sie vor? Wie recherchieren Sie? Wie entscheiden Sie?

Marcel Dillier
Da ist es wichtig, sich zunächst zu fragen: Wo wollen wir als Unternehmen tätig sein? Deshalb ist die fürstliche Strategie der Ursprung von allem, was wir tun. Diese Strategie wurde im Jahr 1998 gegründet. Es handelt sich um einen sogenannten Mischfonds, der sich aus verschiedenen Anlageklassen zusammensetzt: circa 40 Prozent in sogenannten traditionellen Anlagen, also börsennotierten Aktien und festverzinslichen Papieren, und circa 60 Prozent in sogenannten alternativen Anlagen. Dazu gehören beispielsweise Private Equity, Private Credit, Immobilien, Hedgefonds und versicherungsbasierte Anlagen. Warum sind wir damals so gestartet? Das war ein klares Ziel der Fürstenfamilie. Es handelt sich um eine Unternehmerfamilie, die es seit über 900 Jahren gibt, die gute und schlechte Zeiten durchlaufen hat und der Diversifikation immer sehr wichtig war. Sie hat uns mit auf den Weg gegeben, dass das Geld, das sie uns als Capital Partners anvertraut, weltweit breit über verschiedene Anlageklassen hinweg angelegt werden soll. Natürlich hat man auch geschaut, was die Konkurrenz macht. Die meisten Portfolios waren damals typischerweise zu 60 Prozent in Aktien und zu 40 Prozent in festverzinslichen Papieren investiert. Wir wurden dann bei den sogenannten Stiftungsfonds amerikanischer Universitäten fündig. Sie haben sicher schon von Harvard, Yale oder Princeton gehört. Diese gehören zu den renommiertesten Anlegern weltweit. Mit den Renditen, die sie auf ihren Portfolios erzielen, finanzieren sie einen Teil ihres Universitätsbetriebs. Das war der Startpunkt. Gleichzeitig haben wir uns zum Ziel gesetzt, in diesen Anlageklassen weltweit zu Experten zu werden. Also in Private Equity, Private Credit, Immobilien und Hedgefonds. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg sind wir in diesen Bereichen auch zu anerkannten Experten und renommierten Anbietern für verschiedene Kunden weltweit geworden. Wie wir das machen, ist ein wichtiger Punkt. Deshalb haben wir Standorte vor Ort. Man braucht das lokale Netzwerk und muss die lokale Sprache sprechen, um an diese Anlageopportunitäten zu gelangen. Ich habe Ihnen gesagt, wir haben 16 Standorte weltweit. Außerdem haben wir fünf Investmentzentren: die Schweiz, London, New York, San Francisco und Hongkong. Dort haben wir Menschen vor Ort, die versuchen, an attraktive Anlageopportunitäten zu gelangen und diese dann auch abschließen zu können.

Willi Plattes
Sie streuen also weltweit, um das Risiko zu vermindern. Denn auch Sie werden natürlich nicht von Marktturbulenzen verschont bleiben. Dann möchte ich direkt die Frage stellen: Wie ist Ihre Rendite? Sie haben eben Harvard und Yale erwähnt. Sagen Sie uns bitte etwas über Ihre Renditeerwartung und darüber, was tatsächlich geschehen ist. Vielleicht kommen Sie auch bitte auf das Jahr 2008 zu sprechen. Damals hatten wir ja eine große Krise. Wie haben Sie das eingepreist? Wie ist die Rendite nach unten gegangen? Haben Sie marktgemäß reagiert oder haben Sie überperformt? Den richtigen oder den guten Kapitän erkennt man in schwerer See. Schönwettersegler kennen wir ja viele. Erklären Sie bitte ein bisschen, wie Sie in schwierigen Zeiten reagieren beziehungsweise reagiert haben.

Marcel Dillier
Wenn ich das an dieser fürstlichen Strategie, also an dieser Mischform, festmachen darf, dann ist ein Ziel ganz klar. Und das ist wieder ein Mandat unserer Eigentümerfamilie: Wir wollen so gut wie möglich an aufwärts tendierenden Aktienmärkten partizipieren, aber viel weniger verlieren, wenn die Aktienmärkte einmal nach unten gehen. Das ist dieses asymmetrische Profil von Rendite und Risiko. Wenn man sich die Renditen der vergangenen 27 Jahre anschaut, dann sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Es gibt nicht viele Anlagelösungen, die seit 27 Jahren am Markt sind und verschiedene Turbulenzen erfolgreich navigiert haben. Man kann sagen, dass wir im Schnitt circa 60 Prozent an der Aufwärtstendenz partizipieren. Wenn der Aktienmarkt also um 10 Prozent steigt, machen wir etwa 6 Prozent mit. Wenn er um 10 Prozent fällt, verlieren wir allerdings nur etwa 3 Prozent. Genau das wollen wir erzielen. Wenn man sich die Finanzkrise anschaut, muss man sich in Erinnerung rufen, dass diese fürstliche Strategie natürlich ein gewisses Aktienrisiko hat. Nicht nur bei börsennotierten Aktien, sondern auch bei sogenanntem Private Equity und beispielsweise bei Hedgefonds. Diesem Aktienrisiko und der Abwärtstendenz kann man sich nicht vollständig entziehen. Der Aktienmarkt hat in der Finanzkrise circa 45 Prozent verloren, und wir haben etwa die Hälfte dieser Abwärtsbewegung mitgemacht. Wichtig ist dann aber, wie Sie richtig gesagt haben, das Boot nicht zu verlassen, seine Strategie nicht über Bord zu werfen, sondern ruhig zu bleiben, zu überlegen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn wir damals auf alle guten Ratschläge gehört hätten, hätten wir alles verkaufen und in liquide Mittel oder Staatsanleihen investieren sollen. Dann hätte man aber genau die Aufwärtstendenz verpasst, die im März 2009 begonnen hat, als die Märkte sich wieder erholten. Wir sind der Strategie treu geblieben. Ich kann Ihnen sagen: Genau in dieser Zeit hat unsere Eigentümerfamilie zusätzliches Geld investiert, um den Investoren zu zeigen: Jetzt erst recht. Wir glauben an diese Strategie. Wie wir immer sagen: Wir sind Marathonläufer, keine Sprinter. Wenn man eine langfristige Strategie hat, die sich bewiesen hat, dann sollte man ihr treu bleiben. Was ebenfalls geholfen hat, ist unser stabiles Team. Wir haben ein Team, das sich sehr gut kennt und verschiedene Marktphasen gemeinsam durchschritten hat. Das hilft natürlich in solchen Situationen, damit nicht die Emotionen überhandnehmen und man überhastete Entscheidungen trifft.

Willi Plattes
Das hört sich sehr gut an. Also nicht immer nur der Rendite hinterherrennen, sondern auch den Sicherheitsaspekt und den langfristigen Aspekt berücksichtigen. Das gefällt mir. Jetzt haben Sie einen großen Player gekauft, so konnte man es der Presse entnehmen. Warum haben Sie das gemacht? Was war der Hintergrund?

Marcel Dillier
Wir sind ein sehr großer Anbieter im Bereich Private Equity. Dort verwalten wir über 80 Milliarden US Dollar für unsere Kunden. Wie vorhin gesagt: Wir haben auch einen beziehungsweise zwei Sitze in den USA, nämlich in New York und San Francisco. Wir sind im Private Equity nicht nur im sogenannten Buyout Bereich tätig, also dort, wo wir in private Unternehmen investieren, die bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell haben und Gewinn abwerfen, sondern auch im Venture Growth Segment. Wir haben dort ein Team. Mit diesem Sapphire Team haben wir uns über die letzten Jahre beziehungsweise Jahrzehnte immer wieder getroffen und gegenseitig kennengelernt. Man kennt sich in der Branche. Irgendwann hat man begonnen, miteinander zu reden und gesagt: Wir würden gut zueinander passen. Dabei geht es nicht nur darum, unsere Präsenz in den USA zu verstärken und einen noch besseren Zugang zu sehr erfolgversprechenden Private Equity Managern zu bekommen. Bei manchen dieser Manager ist die Tür teilweise geschlossen, weil sie keine neuen Investoren mehr brauchen. Das ist der eine Grund. Der andere Grund ist wieder die Kultur, der Wertekompass. Auch das hat gepasst. Ich habe jetzt keine Studien vor mir, aber ich denke, viele Akquisitionen sind auch daran gescheitert, dass die Kultur nicht gepasst hat. Es muss beides stimmen. Man muss sagen können: Vom Geschäftsmodell her passt es dazu, und man ist zuversichtlich, dass man gemeinsam eine stärkere Position erreichen kann. Andererseits muss es auch menschlich und kulturell funktionieren. Bei uns hat beides gepasst. Deshalb sind wir sehr glücklich, dass wir dieses Team heute an Bord haben. Insgesamt sind es sechs Experten, alle aus den USA. Das hilft uns, unsere Präsenz zu verstärken.

Willi Plattes
Die Frage Kultur ist für mich etwas schwammig. Sie sagen auf der einen Seite: Wir haben europäische Wurzeln, wir haben Familienwerte, der Wertekompass ist ganz wichtig für die Menschen, die wir und Sie betreuen. Jetzt kaufen Sie im Endeffekt einen großen Anbieter aus Amerika, wo es wahrscheinlich grundsätzlich andere Kulturansätze gibt. Wie machen Sie das? Sind das Gespräche? Man kennt sich lange, man versteht sich? Welche Prozesse laufen da ab? Sitzt man beim Abendessen zusammen, führt lange Geschäftsgespräche und sagt danach: Mit diesem Menschen könnte ich zusammenarbeiten? Wie funktioniert das bei Ihnen?

Marcel Dillier
Sie haben die Antwort eigentlich schon perfekt gegeben. Es ist genau so, wie Sie sagen. Es ist ein längerer Prozess. Noch einmal zum Wertekompass: Der Kunde steht im Mittelpunkt. Wir wollen das Vermögen der Kunden verwalten, erhalten und vermehren. Gleichzeitig denkt man für die Firma im Sinne des Kunden und nicht für sich selbst. Man stellt sich selbst nicht in den Vordergrund. Wie Sie sagen: Das ist ein längerer Prozess. All das, was Sie erwähnt haben, gehört dazu. Und irgendwann sagt man: Das passt zusammen. Das hilft uns dann auch, gemeinsam die Ziele noch besser zu erreichen als vorher. Sie sagen jetzt, dass es in den USA eine andere Wertekultur gibt. Das muss nicht unbedingt so sein. Ich war gerade letzte Woche in New York bei meinen Kollegen von Capital Partners. Dort denken wir alle in die gleiche Richtung und wollen das Gleiche erreichen. Das würde ich eher positiv erwähnen: Man arbeitet auf das gleiche Ziel hin.

Willi Plattes
Dann erzählen Sie uns bitte: Welche geschäftlichen Zielsetzungen haben Sie? Weiter wachsen? Mehr Stabilität? Wie beurteilen Sie die augenblickliche Gemengelage auf der Welt? Die ist ja, vorsichtig gesagt, äußerst volatil. Wie beurteilen Sie das? Wie bringen Sie Entscheidungen zusammen? Welche Zielsetzungen haben Sie in welchen Bereichen? Wie analysieren und bewerten Sie das? Und wie ist die Entscheidungsfindung bei Ihnen im Haus?

Marcel Dillier
Man hat natürlich einen klaren Fahrplan. Wir haben unsere Vision bis 2030 formuliert. Diese beinhaltet verschiedene Zielsetzungen in verschiedenen Bereichen. Wachstum ist eines davon. Aber es geht um gesundes Wachstum, nicht um Wachstum zu jedem Preis. Ein oberstes Ziel ist immer die Reputation. Diese Reputation ist der Familie wichtig und sie ist uns wichtig. Wenn wir etwas sehen, das rein geschäftlich vielleicht attraktiv wäre, bei dem wir aber Risiken sehen, dass unsere Reputation geschädigt werden könnte, dann nehmen wir Abstand. Das ist uns ganz wichtig. In solchen volatilen Zeiten zahlt sich diese Stabilität immer wieder aus. Wir pflegen langjährige Partnerschaften mit unseren Kunden. Unsere Kunden attestieren uns, dass sie wissen, was sie mit uns erwarten können. Sie werden nicht überrascht. Wir sind ein langfristiger und vertrauenswürdiger Partner. Solche volatilen Zeiten ergeben aber auch Opportunitäten. Das ist ganz wichtig. Das haben wir auch nach der Finanzkrise gesehen. Da haben wir im Nachhinein gesagt, dass wir in gewissen Bereichen auch mutiger hätten sein können, um die Chancen zu nutzen, die sich in volatilen Zeiten ergeben. In Phasen, in denen viele Abstand von Anlagen nehmen, sollte man vielleicht gerade antizyklisch wieder investieren. Das zeigt sich jetzt beispielsweise bei privaten Krediten. Diese waren in den letzten Wochen und Monaten sehr negativ in der Presse. Viele haben Abstand genommen. Einzelne Anbieter mussten ihre Fonds schließen, weil sie die Rücknahmen der Kunden nicht mehr bedienen konnten. Das war bei uns nicht der Fall, weil wir sehr breit diversifiziert sind und darauf achten, dass die zugrunde liegenden Kredite auch den Wert haben, den wir ihnen zuschreiben. Genau in solchen Phasen trennt sich die Spreu vom Weizen. Es gibt in volatilen Phasen immer auch Segmente, in die man investieren sollte, weil sie zu einem sehr attraktiven Preis gehandelt werden. Viele Anleger nehmen aufgrund von Emotionen Abstand. Die Angst nimmt überhand, und man schaut nicht mehr genau hin. Wenn man aber genau hinschaut, sieht man: Dieser Wert ist noch immer da. Und dieser Wert wird momentan zu einem Preis gehandelt, der sehr attraktiv ist. Also schlagen wir zu. Es geht also um Stabilität auf der einen Seite, darum, dem eigenen Investitionsverhalten treu zu bleiben, auf der anderen Seite aber auch darum, nicht davor zurückzuschrecken, Chancen in volatilen Zeiten zu nutzen.

Willi Plattes
Das hört sich alles wunderbar an, und das machen Sie ja auch gut. Aber wenn ich das höre, dann brauchen Sie ein unheimlich starkes und qualifiziertes Analyseteam, um das alles zu bewerten. Sie brauchen die Fakten, um überhaupt entscheiden zu können, ob etwas zu Ihrem Kontext passt. Diese fürstliche Strategie finde ich als Oberbegriff sehr stark. Aber wie machen Sie das konkret? Wie gehen Sie da heran? Sie müssen ja ein sehr starkes weltweites Analyse und Rechercheteam haben.

Marcel Dillier
Das haben wir in den verschiedenen Bereichen. Nehmen wir als Beispiel Private Equity, wo wir über 80 Milliarden verwalten. Im Bereich Private Equity haben wir über 400 Kollegen, die sich um diese Anlageklasse kümmern. Nicht nur Analysten und Portfoliomanager, sondern auch Kollegen aus Bereichen wie Reporting, Structuring, Legal und weiteren Funktionen. Das ist sehr wichtig. Man muss erstens die Kompetenz haben, um Dinge bewerten zu können. Andererseits sind wir seit 27 Jahren am Markt. In diesen 27 Jahren haben wir eine Datenbank zu verschiedenen privaten Unternehmen aufgebaut. Wenn wir eine Opportunität am Markt sehen, können wir sehr schnell beurteilen, ob sie attraktiv ist oder nicht. Wenn uns zum Beispiel ein Unternehmen aus dem Gesundheitssektor angeboten wird, können wir schauen: Welche Transaktionen haben wir in diesem Sektor bereits gemacht? Zu welchen Preisen wurden diese Unternehmen damals gehandelt? Wie vergleichen sich diese Unternehmen mit dem Unternehmen, das uns jetzt angeboten wird? Diese Datenbank mit über 30.000 privaten Unternehmen ist extrem wertvoll. Und jetzt, mit künstlicher Intelligenz, kann man sie noch viel besser nutzen als vorher. Das ist einerseits die gesamte Mannschaft, die diese harte und ehrliche Arbeit macht. Andererseits ist es auch der gesamte Datensatz, den wir über die Jahre gesammelt haben. Beides hilft uns hoffentlich, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Willi Plattes
Das hat bisher ja relativ gut funktioniert. Oder besser gesagt: nicht relativ, sondern besser als der Markt.

Marcel Dillier
Ja. Wir zeigen Stabilität und liefern robuste Renditen, auch in sehr euphorischen Märkten. Unsere Stärke zeigt sich aber immer dann, wenn es mit den Märkten einmal weniger gut läuft. Das ist schon so.

Willi Plattes
Sie haben eben ein schönes Wort gesagt: KI. Durch KI wird die Analyse besser, man hat andere Möglichkeiten. Investieren Sie auch in KI, also in Opportunitäten im Private Equity Bereich? Wie sehen Sie die Zukunft? Viele sprechen von einer Blase. In den letzten Tagen ist ja viel geschehen. OpenAI hat eine neue Firma gegründet, um in große Unternehmen hineinzugehen. Anthropic hat einen ähnlichen Schritt gemacht. Das wird die McKinseys, Bain & Companys und die gesamte Beteiligungs und Beratungswelt sehr aufschrecken. Auf der anderen Seite haben sich diese Firmen wiederum an diesen neu gegründeten Firmen beteiligt. Wir sehen also eine enorme Bewegung in der gesamten Beratungswelt durch KI. Wie beurteilen Sie das? Ich hoffe, dass die Frage nicht zu komplex gestellt ist.

Marcel Dillier
Nein, das ist sie nicht. Es ist ein vielseitiges Thema, wie Sie richtig sagen. Einmal mehr zur künstlichen Intelligenz: Das Schöne ist, dass wir in viele dieser Firmen investiert sind, die in diesem Bereich Vorreiter oder bereits etabliert sind. Das hilft bei Private Equity. Private Equity ist ja eine Investition in privat gehaltene Firmen. Wenn man heute schaut, bleiben viele private Firmen viel länger privat als früher. Sie gehen nicht sofort an die Börse oder werden weiterverkauft. Warum ist das so? Weil viel Investorenkapital in diesen privaten Bereich fließt. Genau deshalb ist Private Equity so interessant. Früher gingen private Firmen viel schneller an die Börse. Heute ist das anders. Deshalb sollte man als Anleger auch in Private Equity investieren, um an diesen zukunftsträchtigen Chancen teilhaben zu können. Wichtig ist hier, wieder breit diversifiziert zu sein. Wenn wir Growth anschauen, dann wird es in unseren Portfolios ganz wenige Gewinner geben, die die Rendite treiben werden. Es gibt aber auch sehr viele Verlierer. Deshalb muss man sehr breit investieren, wenn es um dieses Thema geht. Künstliche Intelligenz als solches ist eine Erleichterung. Sie hilft, gewisse Prozesse effizienter zu gestalten. Aber der menschliche Aspekt ist weiterhin sehr wichtig. Der darf nicht fehlen. Denn man hat eine gewisse Geschichte, die KI nicht einfach so schnell durchleuchten kann. Man hat eine gewisse Kultur, die nicht verloren gehen darf. Aber ganz klar: Auch wir im Unternehmen selbst setzen KI ein, nicht nur bei Investitionen, sondern auch in unserer täglichen Arbeit. Das hilft in vielen Dingen massiv. Wie Sie richtig sagen: Die Arbeitswelt wird sich verändern. Es wird immer wieder darüber gesprochen, welche Jobprofile überflüssig werden. Dafür werden aber auch neue Jobprofile entstehen. Ich denke, es gibt Plus und Minus, Chancen und Risiken. Diese werden ja auch breit in der Presse diskutiert.

Willi Plattes
Ich glaube, KI ist mit einem Tsunami zu vergleichen. Entweder man wird von diesem Tsunami überrollt, oder man lernt, auf ihm zu surfen. Denn ich glaube, die Situation ist die: Ob man KI mag oder nicht, sie wird kommen. Und sie wird die Welt in vielen Bereichen verändern. Deswegen finde ich es persönlich gut, dass man in diesen Bereich investiert und sich weiterhin informiert. Denn es ist ein spannendes Rennen, das gerade stattfindet. Heute ist der eine besser, morgen kommt ein anderer, der wieder etwas stärker ist. Man befindet sich in dieser Entwicklung im permanenten Betamodus. Sie haben im Augenblick 120 Milliarden unter Management weltweit. Dann haben Sie eben von der Strategie 2030 gesprochen. Welche Zahl steht denn da? 200 Milliarden oder was steht dort?

Marcel Dillier
Sagen wir einmal: zwischen 150 und 200 Milliarden. Man sollte Ambitionen haben, das ist wichtig. Darauf arbeiten wir hin, und wir sind zuversichtlich, dass wir das erreichen können. Aber beim Wachstum ist wichtig: Es muss auch gegenüber den Kunden stimmen. Der Kunde soll weiterhin den gleichen Service erhalten und uns weiterhin als zuverlässigen und vertrauenswürdigen Partner sehen. Andererseits ist es innerhalb der Firma wichtig, die Kultur zu behalten. Wachstum ist sehr positiv, aber Wachstum hat, wie alles, auch Risiken. Dessen sollte man sich bewusst sein. Das ist Teil unserer Agenda: nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken einzubeziehen und zu steuern.

Willi Plattes
Sehr gut gesagt. Das gefällt mir. In meinen Beratungen sage ich immer Folgendes: Es gibt Situationen, da gelingt einem alles. Das ist kein Grund, unruhig zu werden. Das geht vorüber. Ich glaube, das gehört auch dazu. Die Familienwerte, der Wertekompass. Das Wichtigste ist, dass man das nicht nur nach außen dokumentiert, sondern dass man es auch lebt. Ich werde jetzt ein bisschen persönlich. Mein Papa hat immer zu mir gesagt: Das, was du vorlebst, brauchst du nicht zu erklären. Und genau das machen Sie ja mit der fürstlichen Strategie. Sehr beeindruckend.

Marcel Dillier
Ja. Und als Papa kann ich Ihnen sagen: Wenn man Kinder hat, wie meine Frau und ich, wir haben drei, dann halten sie einem immer den Spiegel vor. Das haben Sie schön gesagt: Es geht darum, was man vorlebt. Wenn es nicht so ist, wie man es predigt oder sagt, dann bekommt man das sofort vorgehalten.

Willi Plattes
Ja, das gehört zum Wertekompass. Ich habe fünf Kinder mit einer Frau. Und es ist ja immer die große Frage: Erzieht man seine Kinder, oder erziehen die Kinder einen? Aber auch das gehört zum Wertekompass. Herr Dillier, jetzt muss ich natürlich noch eine Frage stellen, die sich am Ende alle unsere Zuhörer und Zuschauer stellen: Wie war denn Ihre durchschnittliche Rendite in den letzten 20 Jahren?

Marcel Dillier
Wenn man jetzt die fürstliche Strategie anschaut, waren das in US Dollar circa 7,5 Prozent. Dann kommen natürlich noch die Gebühren dazu. Je nachdem, wie viel man investiert, gibt es bei der fürstlichen Strategie verschiedene Gebührenklassen. Aber über all diese Marktzyklen hinweg, gute wie schlechte, waren es circa 7,5 Prozent in US Dollar.

Willi Plattes
Also Währungsrisiko oder Währungsverschiebungen ausgeschlossen?

Marcel Dillier
Man hat natürlich auch Euro Anteilsklassen. Ich als Schweizer bin in der Schweizer Franken Anteilsklasse. Dann gibt es Euro Anteilsklassen. Wie Sie richtig sagen: Das Portfolio ist dasselbe, aber man macht dann noch eine Währungsabsicherung. Wir sagen einfach, dass es sich auszahlt, einen hohen Teil in der Referenzwährung zu halten. Währungen sind sehr volatil, und viele sind den Beweis schuldig geblieben, mit Währungsmanagement tatsächlich Mehrwert zu erzielen. Deshalb sichern wir einen großen Teil in die jeweilige Referenzwährung ab. Wenn wir jetzt für einen Euro Anleger nach vorne schauen, dann ist vor Gebühren über die nächsten fünf Jahre eine Rendite irgendwo zwischen 6 und 7 Prozent realistisch. Wir sind bei solchen Renditeschätzungen eher konservativ. Aber auch hier gilt: Lieber übertreffen als zu viel versprechen.

Willi Plattes
Das ist ein starkes Statement. Herr Dillier, ich bedanke mich für das Gespräch. Ein tolles Gespräch heute Morgen von der schönsten Insel der Welt in die Nähe von Zürich. Herzlichen Dank für Ihre Zeit.

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: C. Schittelkopp

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