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Makler, Anwalt, Notar & Co.: die Rollen beim Immobilienkauf

Wer auf Mallorca welche Aufgaben übernimmt und wo Zuständigkeit sowie Haftung enden.

Beim Erwerb einer Immobilie auf Mallorca sind zahlreiche Fachleute beteiligt. Makler, Anwalt, Steuerberater, Sachverständiger und Notar übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben. Doch wer ist für welchen Schritt zuständig? Wer prüft die rechtliche und bauliche Situation der Immobilie? Und wer haftet, wenn sich Angaben später als falsch erweisen oder Probleme auftreten?

In dieser Folge des Willi-pedia Podcasts spricht Timothea Imionidou mit Yvonne Plattes, der Geschäftsführerin und Leiterin der Rechtsabteilung der PlattesGroup, über die Rollenverteilung beim Erwerb einer Immobilie in Spanien. Der Makler vermittelt zwischen Käufer und Verkäufer und begleitet die Immobiliensuche. Der Anwalt prüft die rechtlichen Grundlagen, gestaltet die Verträge und koordiniert die Abwicklung. Der Sachverständige untersucht die bauliche und technische Situation, während der Steuerberater die passende Erwerbs-, Finanzierungs- und Vermögensstruktur betrachtet.

Auch die Aufgaben des spanischen Notars werden eingeordnet. Er beurkundet den Kauf, identifiziert die Beteiligten, dokumentiert den Zahlungsfluss und sorgt für die vorläufige Sicherung im Grundbuch. Eine umfassende rechtliche, steuerliche oder bautechnische Prüfung übernimmt er jedoch nicht.

Die Podcastfolge zeigt, warum klare Zuständigkeiten entscheidend sind und weshalb sich Käufer nicht darauf verlassen sollten, dass eine einzelne Person sämtliche Risiken prüft und die vollständige Verantwortung trägt.

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16. August 2026

Timothea Imionidou
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Willi-pedia Podcasts. Heute geht es um eine Frage, die beim Immobilienkauf auf Mallorca besonders wichtig ist: Wer ist eigentlich wofür zuständig und wer haftet, wenn später etwas schiefläuft? Die Rede ist vom Makler, Notar, Anwalt, Steuerberater und Sachverständigen. Genau darüber und über die Abgrenzung der jeweiligen Aufgaben spreche ich jetzt mit Yvonne Plattes, Geschäftsführerin und Leiterin der Rechtsabteilung der PlattesGroup. Hallo, Yvonne.

Yvonne Plattes
Hallo, Timo.

Timothea Imionidou
Fangen wir beim Makler an. Den brauche ich zunächst, wenn ich eine Wohnung oder ein Haus suche.

Yvonne Plattes
Ja, meistens. Oder du fährst mit dem Auto herum und schaust, wo irgendwo ein Schild steht. In der Regel suchst du dir aber einen Makler.

Timothea Imionidou
Was sind denn genau seine Aufgaben? Kann sich jeder, der sich mit Immobilien auskennt und anderen Menschen Immobilien zeigt, Makler nennen, oder ist das inzwischen nicht mehr so?

Yvonne Plattes
Du möchtest eine Immobilie kaufen, hast bestimmte Vorstellungen und kontaktierst einen Makler deines Vertrauens. Er sucht für dich verschiedene Immobilien, die er anschließend mit dir besichtigt. Seine Aufgabe ist es, Verkäufer und Käufer zusammenzubringen. Er ist also der Vermittler zwischen beiden Seiten. Im besten Fall hat er ein Exposé erstellt. Dieses Exposé basiert allerdings zunächst auf den Angaben des Verkäufers. Wenn der Makler sorgfältig arbeitet, schaut er zusätzlich ins Eigentumsregister beziehungsweise Grundbuch und prüft, ob die wesentlichen Angaben stimmen. Viel mehr kann er jedoch nicht leisten, denn er kann nicht Tausende Objekte in seinem Portfolio bautechnisch, baurechtlich oder in jeder anderen Hinsicht umfassend überprüfen. Er prüft beispielsweise, ob Frau Müller-Lüdenscheid tatsächlich die Eigentümerin und Verkäuferin der Immobilie ist und welches Objekt verkauft werden soll. Diese Angaben übernimmt er in das Exposé, ebenso natürlich den Kaufpreis. Falls dort etwas steht, das in der Realität nicht stimmt, weist ein guter Makler darauf hin, dass die Information auf Angaben des Verkäufers beruht. Für die umfassende rechtliche Prüfung nimmst du später einen Anwalt. Der Makler hat durch seine Reichweite, seine Marke und sein Image etwas aufgebaut, weshalb du ihn kontaktierst.
Er hat die Immobilie gefunden, in sein Portfolio aufgenommen und versucht nun, sie für den Verkäufer zu veräußern. Er bringt also zwei Parteien zusammen und vermittelt zwischen ihnen. Wenn er gut ist, bleibt er Ansprechpartner, vermittelt bei Unstimmigkeiten, kümmert sich um Unterlagen und hat vielleicht bereits das eine oder andere Dokument vorliegen. Für unzutreffende Angaben des Verkäufers haftet er aber grundsätzlich nicht ohne Weiteres.

Timothea Imionidou
Das wollte ich gerade fragen: Wofür übernimmt der Makler auf keinen Fall die Verantwortung?

Yvonne Plattes
Er übernimmt nicht automatisch die Verantwortung dafür, wenn der Verkäufer beispielsweise 380 Quadratmeter angegeben hat, es in Wirklichkeit aber nur 350 Quadratmeter sind. Auch wenn an der Immobilie etwas illegal errichtet wurde und der Verkäufer ihn darüber nicht informiert hat, kann der Makler das nicht zwingend wissen. Vielleicht hat er inzwischen ein geschultes Auge und erkennt Auffälligkeiten. Oder der Verkäufer war ehrlich und hat gesagt: „Dieser Barbecue-Platz ist illegal.“ Dann kann der Makler das bei der Besichtigung erwähnen. Seine Kernaufgabe bleibt aber die Vermittlung zwischen Käufer und Verkäufer. Und damit kommen wir zu deiner Frage, ob das einfach jeder machen kann.

Timothea Imionidou
Genau. Ab wann darf sich jemand tatsächlich Makler nennen?

Yvonne Plattes
Früher war das häufig anders. Wer hier länger gelebt hat, kannte vielleicht jemanden, der verkaufen wollte, und einen anderen, der kaufen wollte. Dann wurden beide zusammengebracht und dafür gab es eine Provision. So einfach ist es heute nicht mehr. Der Makler ist auch nicht nur dafür da, die Tür aufzuschließen. Ein guter Makler kann viele Fragen beantworten, kümmert sich um den Ablauf, beschafft Dokumente, die der Verkäufer vielleicht nicht griffbereit hat, und bleibt Ansprechpartner für Käufer und Verkäufer. Wenn du einen Anwalt einschaltest, läuft die rechtliche Kommunikation häufig über die Anwälte. Der Makler erhält zwar eine erhebliche Vergütung, aber er muss dafür auch einiges leisten. Er hat schließlich dafür gesorgt, dass du auf die Immobilie aufmerksam geworden bist und ihn mit der Suche beauftragt hast. Deshalb muss man an dieser Stelle auch einmal eine Lanze für gute Makler brechen. Inzwischen gibt es gesetzliche Vorgaben, damit nicht jeder ohne Weiteres als Makler tätig werden kann.

Yvonne Plattes
Man muss beispielsweise eine entsprechende Ausbildung oder eine bestimmte Berufserfahrung nachweisen beziehungsweise vorgeschriebene Schulungen absolviert haben. Außerdem ist eine Berufshaftpflichtversicherung erforderlich. Man kann also nicht einfach nur mit einem Laptop herumlaufen und Immobilien vermitteln. Registrierte Makler erhalten eine Registrierungsnummer, die sie angeben müssen. Inzwischen wird auch stärker kontrolliert, damit nicht einfach irgendwelche One-Man-Shows ohne entsprechende Voraussetzungen am Markt auftreten.

Timothea Imionidou
Das ist sinnvoll. Gerade in diesem Bereich ist eine Regulierung wichtig.

Yvonne Plattes
Du befindest dich in einem fremden Land und möchtest Sicherheit haben. Deshalb suchst du dir hoffentlich Personen, die über die notwendige Ausbildung, Erfahrung und Sachkunde verfügen, um dich durch dieses Verfahren zu begleiten.

Timothea Imionidou
Absolut. Eine Frage, die ich immer wieder bekomme: Wie ist das in Spanien mit der Maklerprovision? Zahlt sie der Käufer oder der Verkäufer? Oder gibt es dabei Spielraum?

Yvonne Plattes
Nach der üblichen rechtlichen Ausgangslage ist der Verkäufer für die Maklerprovision zuständig. Natürlich wird er sie wirtschaftlich häufig in den Kaufpreis einkalkulieren. Käufer und Verkäufer können aber auch vereinbaren, dass sie die Provision teilen oder der Käufer sie übernimmt. Grundsätzlich trägt sie der Verkäufer. Soll davon abgewichen werden, muss dies entsprechend vereinbart werden. Als Käufer hast du davon zunächst keinen unmittelbaren Vorteil, sondern erst einmal höhere Kosten. Möglicherweise senkt der Verkäufer im Gegenzug den Kaufpreis. Dann fällt gegebenenfalls weniger Grunderwerbsteuer an. Übernimmt der Käufer die Maklerkosten, kann er diese bei einem späteren Verkauf möglicherweise als Anschaffungskosten berücksichtigen. Beim Verkauf fällt auf einen Gewinn Steuer an, und dabei können entsprechende Kosten eine Rolle spielen. Solange du nicht verkaufst, bleiben sie zunächst eine Ausgabe auf deiner Seite.

Timothea Imionidou
Und die Höhe der Kosten ist ebenfalls klar geregelt? Wird sie prozentual vom Kaufpreis berechnet?

Yvonne Plattes
Nein, sie ist nicht gesetzlich festgeschrieben. Im Durchschnitt liegt die Maklerprovision häufig zwischen drei und fünf Prozent, teilweise auch bei sechs Prozent des Kaufpreises. Als Verkäufer kannst du darüber verhandeln. Das ist ungefähr die Spanne, in der sich viele bewegen.

Timothea Imionidou
Die Höhe ist also nicht in Stein gemeißelt. Wen brauche ich neben dem Makler noch beim Immobilienkauf?

Yvonne Plattes
Wenn du den Kauf ordentlich abwickeln und keine Wundertüte erleben möchtest, empfehle ich dir mehrere Fachleute. Der Makler findet und vermittelt die Immobilie. Der Anwalt begleitet dich durch die zivilrechtlichen Fragen und prüft die baurechtliche Situation. Zusätzlich sollte ein Sachverständiger die bautechnische Prüfung übernehmen. Wir haben in einem früheren Podcast darüber gesprochen, dass du beim Immobilienkauf auch eine Emotion kaufst. Diese positive Emotion soll nach dem Kauf bestehen bleiben und sich nicht in einen Albtraum verwandeln, weil wesentliche Dinge nicht bedacht oder geprüft wurden.
Deshalb sollte die Immobilie vorab umfassend geprüft werden, damit du weißt, was auf dich zukommt. Das bedeutet nicht, dass jede kleine Macke automatisch gegen den Kauf spricht. Entscheidend ist, dass du sie kennst und vor dem Notartermin beurteilen kannst. Dann kannst du sagen: „Das stört mich nicht. Ich möchte die Immobilie trotzdem kaufen.“ Du weißt aber, worauf du dich einlässt, und erlebst später keine böse Überraschung. Dafür brauchst du neben dem Makler einen Anwalt und einen Sachverständigen. Wahrscheinlich kommt außerdem ein Steuerberater hinzu, der mit dir die steuerliche Struktur des Erwerbs bespricht.
Wie kaufst du die Immobilie? Kaufst du sie allein, gemeinsam mit deinem Ehepartner oder werden die Kinder einbezogen? Kaufst du über eine juristische Person? All diese Fragen sollten vor dem Notartermin geklärt werden. Hinzu kommt die Frage, ob du mit Eigenkapital kaufst oder eine Finanzierung aufnimmst. Deshalb ist auch die steuerliche Beratung im Vorfeld sehr wichtig.

Timothea Imionidou
Der Notar kommt also erst am Ende dieser Kette. Nach dem Makler folgt zunächst der Anwalt?

Yvonne Plattes
Genau, der Anwalt.

Timothea Imionidou
Welche Aufgabe übernimmt der Anwalt?

Yvonne Plattes
Sobald du dich mit dem Verkäufer über den Kaufpreis geeinigt hast und sagst: „Genau diese Immobilie möchte ich kaufen“, gibst du ein Angebot ab. Dabei wird mir häufig eine spannende Frage gestellt: Bin ich bereits gebunden, wenn ich dem Verkäufer sage, dass ich die Immobilie zu einem bestimmten Preis kaufe? Kann ich noch zurücktreten? Grundsätzlich kannst du zunächst zurücktreten. Selbst wenn der Optionsvertrag beziehungsweise der Arras-Vertrag unterschrieben ist, kannst du noch erklären, dass du nicht mehr kaufen möchtest. Entscheidend wird es mit der Zahlung der Optionssumme von üblicherweise zehn Prozent, beispielsweise auf ein Notar- oder Treuhandkonto. Ab diesem Zeitpunkt bist du wirtschaftlich gebunden. Trittst du anschließend aus persönlichen Gründen zurück, etwa weil du und dein Ehepartner die Immobilie doch nicht mehr kaufen möchten, eine andere Immobilie gefunden habt oder sich eure wirtschaftlichen Verhältnisse geändert haben, verlierst du in der Regel die gezahlte Optionssumme.

Timothea Imionidou
Das sind immerhin zehn Prozent.

Yvonne Plattes
Ja, und das kann sehr viel Geld sein.

Timothea Imionidou
Natürlich.

Yvonne Plattes
Wenn sich während der Prüfung jedoch herausstellt, dass etwas nicht in Ordnung ist, und der Optionsvertrag so gestaltet wurde, dass bei bestimmten Umständen ein Rücktrittsrecht besteht, kannst du weiterhin zurücktreten. Deshalb ist die Frage wichtig, ab welchem Zeitpunkt und unter welchen Bedingungen du tatsächlich gebunden bist.

Timothea Imionidou
Das ist besonders interessant, weil ich beim Abschluss des Optionsvertrags noch nicht alles über die Immobilie weiß. Die steuerliche, rechtliche oder baurechtliche Prüfung läuft doch häufig erst danach.

Yvonne Plattes
Sie läuft häufig parallel. Es gibt auch Fälle, in denen der Verkäufer sagt: „Prüft zunächst alles, was ihr prüfen möchtet. Wenn alles geklärt ist, gehen wir direkt zum Notar.“ Das ist möglich und kommt auch vor. Es hat allerdings einen Nachteil: Der Käufer hat häufig nur eine mündliche Zusage, die im Streitfall wenig Sicherheit bietet. Gleichzeitig investiert er bereits Geld, weil er einen Sachverständigen, einen Steuerberater und einen Anwalt beauftragt. Eine solche Prüfung dauert je nach Immobilie und Unterlagen schnell einige Wochen oder auch ungefähr zwei Monate. In dieser Zeit kann ein anderer Interessent kommen und deutlich mehr bieten. Dann entscheidet sich der Verkäufer möglicherweise für den anderen Käufer. Deshalb empfehlen wir in der Regel, einen Options- beziehungsweise Arras-Vertrag abzuschließen und darin Rücktrittsmöglichkeiten für bestimmte Fälle vorzusehen. Das betrifft beispielsweise gravierende Mängel oder erhebliche Illegalitäten, die vorher nicht bekannt oder vereinbart waren. Wir nehmen außerdem regelmäßig auf, dass die Parteien sich alternativ anderweitig einigen können. Der Käufer kann also zurücktreten oder mit dem Verkäufer eine andere Lösung finden. Gleichzeitig kann der Verkäufer während der Bindungsfrist nicht ohne Konsequenzen an jemand anderen verkaufen. Umgekehrt kann der Käufer aber auch nicht einfach aus rein persönlichen Gründen sagen: „Ich habe es mir anders überlegt“, ohne die vereinbarten Folgen zu tragen.

Timothea Imionidou
Dafür ist also der Anwalt zuständig. Er setzt den Optionsvertrag auf und gestaltet ihn entsprechend. Parallel wird der Sachverständige in die Immobilie geschickt?

Yvonne Plattes
Im Normalfall lässt der Verkäufer eine umfassende Prüfung erst zu, wenn der Optionsvertrag unterschrieben und die Anzahlung geleistet wurde. Dann erteilt er die erforderlichen Vollmachten oder Zustimmungen, damit die Immobilie geprüft werden kann. Vieles läuft daher parallel. Wir wollten aber zunächst klären, welche Personen du brauchst und warum. Das ist hier nur grob beschrieben. In weiteren Podcastfolgen können wir die einzelnen Bereiche noch detaillierter behandeln. Wenn du möglichst genau wissen möchtest, was du kaufst, brauchst du diese Fachleute. Bei einer Wohnung für beispielsweise 200.000 Euro kann die Prüfung natürlich weniger umfangreich sein. Bei einer Wohnung bestehen andere Risiken als bei einem freistehenden Haus. Es gibt eine Eigentümergemeinschaft mit bestimmten Vorgaben. Man prüft, ob der Verkäufer tatsächlich Eigentümer ist und ob alle Zahlungen gegenüber der Gemeinschaft geleistet wurden oder Rückstände bestehen. Häufig ist dort keine große Prüfungsorgie erforderlich. Bei einer freistehenden oder älteren Immobilie gibt es dagegen deutlich mehr mögliche Themen, die geprüft werden müssen. Erst danach kommt der Notar ins Spiel.

Timothea Imionidou
Ich möchte noch einmal zum Steuerberater zurückkommen. Den brauche ich ebenfalls vor dem Kauf. Seine Arbeit läuft parallel zur anwaltlichen Prüfung, oder?

Yvonne Plattes
Wir bieten häufig ein Rundum-Sorglos-Paket an, bei dem wir auch den Steuerberater einbeziehen. Zusätzlich stimmen wir uns mit dem Steuerberater aus deinem Heimatland ab. Ihn kennst du meist schon länger, er kennt deine Situation und es besteht ein Vertrauensverhältnis. Gemeinsam überlegen die beteiligten Steuerberater, wie du die Immobilie am sinnvollsten erwerben solltest. Dabei spielen Fragen zur Erbschaft, Schenkung, Einbindung der Kinder und Aufteilung des Familienvermögens eine Rolle.

Timothea Imionidou
Muss das vor dem Optionsvertrag passieren?

Yvonne Plattes
Wenn du sicher bist, dass du den Kaufpreis aufbringen kannst und eine gegebenenfalls notwendige Finanzierung erhältst, kann vieles parallel laufen. Ist der Kauf dagegen ausdrücklich davon abhängig, dass du eine Finanzierung bekommst, solltest du diese Voraussetzung unbedingt im Vorfeld prüfen und vertraglich berücksichtigen.

Timothea Imionidou
Am Ende dieser Kette steht der Notar. Was prüft er und was prüft er ausdrücklich nicht?

Yvonne Plattes
Der Notar hat in Spanien andere Aufgaben als ein Notar in Deutschland. Unsere Anwälte bereiten den Notartermin und den Entwurf der Kaufurkunde vor und stellen die erforderlichen Unterlagen zusammen, beispielsweise Grundbuchauszug, Katasterauszug und Ausweisdokumente. Diese Unterlagen werden dem Notar vorgelegt, der daraus die notarielle Urkunde erstellt. Beim Termin prüft er die Identität des Käufers und des Verkäufers sowie die im Grundbuch eingetragene Immobilie. Er zieht einen aktuellen Grundbuchauszug heran und erläutert, um welches Objekt es geht. Er liest die wesentlichen Angaben aus dem Grundbuch vor. Er prüft jedoch nicht umfassend, ob baurechtliche Illegalitäten bestehen. Er bewertet auch nicht, ob der gezahlte Kaufpreis wirtschaftlich angemessen ist. Er kann auf bestimmte Dokumente wie Bewohnbarkeitsbescheinigung oder Energiezertifikat hinweisen, übernimmt aber nicht die vollständige rechtliche, steuerliche oder technische Prüfung der Immobilie. Er beurkundet den Kauf auf Grundlage der vorliegenden Angaben und Unterlagen.

Timothea Imionidou
Er fasst also im Wesentlichen noch einmal die maßgeblichen Fakten zusammen.

Yvonne Plattes
Mehr oder weniger.

Timothea Imionidou
Das bedeutet, der Notar haftet nicht automatisch, wenn sich nach dem Kauf steuerliche, rechtliche oder bauliche Probleme mit der Immobilie herausstellen?

Yvonne Plattes
Diese umfassende Prüfung gehört nicht zu seinen Aufgaben. Er kontrolliert allerdings zusätzlich den Geldfluss. Das ist auch aufgrund der Vorschriften zur Geldwäscheprävention wichtig. Er prüft, wann welche Zahlungen geleistet wurden, wie die Anzahlung erfolgt ist und von welchem auf welches Konto das Geld geflossen ist. Wenn du beispielsweise zehn Prozent auf ein Notarkonto überweist, in Deutschland steuerlich ansässig bist und das Geld plötzlich von einem Schweizer Konto kommt, wird der Notar gegebenenfalls weitere Nachweise verlangen oder die Zahlung zunächst nicht annehmen. Dann muss nachvollziehbar belegt werden, warum dieses Konto besteht, woher das Geld stammt und dass es sich um rechtmäßig erworbene Mittel handelt. Der Notar muss ausschließen können, dass Gelder beispielsweise aus Drogenhandel, Prostitution oder anderen illegalen Geschäften stammen. Zahlungen aus einem anderen Land als dem Staat der steuerlichen Ansässigkeit werden deshalb häufig besonders kritisch geprüft.

Timothea Imionidou
Der Notar fasst also die Fakten zusammen und überprüft unter anderem den Zahlungsfluss. Die Aufgabe von Sachverständigen, Architekten und technischen Prüfern besteht ebenfalls darin, Tatsachen festzustellen und zusammenzufassen: Welche Eigenschaften hat die Immobilie, welche Mängel bestehen und welche nicht? Letztlich soll der Käufer genau wissen, was er erwirbt. Gibt es Illegalitäten? Welche Risiken bestehen? Es geht also vor allem darum, dass der Käufer weiß, was er kauft, oder?

Yvonne Plattes
Genau darum geht es.

Timothea Imionidou
Warum ist das so wichtig?

Yvonne Plattes
Wenn du einmal gekauft hast, ist es schwierig, den Kauf später rückabzuwickeln, nur weil du bestimmte Dinge nicht gewusst hast. Unwissenheit schützt nicht vor den Folgen. Deshalb möchtest du vorher wissen, was du kaufst. Ich würde auch nicht sagen, dass Sachverständige lediglich vorhandene Fakten sammeln. Sie müssen aktiv prüfen. Ein Sachverständiger geht zur Gemeinde und schaut nach, was dort registriert ist. Er prüft, ob laufende Verfahren oder sonstige Auffälligkeiten bestehen und welches Baurecht aktuell gilt. Das ist ein sehr breit gefächertes Prüfungsfeld. Der Notar fasst dagegen die für die Beurkundung relevanten Angaben zusammen. In der Urkunde steht nicht automatisch, dass die Immobilie Illegalitäten aufweist. Dort wird beschrieben, welche Immobilie zu welchem Preis verkauft wird, welche Flächen im Grundbuch und im Kataster eingetragen sind, wie der Kaufpreis gezahlt wurde und ob Käufer und Verkäufer ordnungsgemäß identifiziert wurden. Nach Abschluss der Beurkundung veranlasst der Notar außerdem die entsprechende Sicherung beziehungsweise Blockierung im Grundbuch. Dadurch kann der Verkäufer nicht einfach zu einem anderen Notar gehen und dieselbe Immobilie noch einmal verkaufen. Um die weiteren Umschreibungen, Eintragungen und Abwicklungen kümmert sich anschließend wiederum der Anwalt beziehungsweise das betreuende Beratungsteam.

Timothea Imionidou
Was rätst du Käufern, damit sie vor dem Notartermin genau wissen, wer wofür zuständig ist und sich nicht auf die falsche Person verlassen? Oder ist es gar nicht so wichtig, dass der Käufer jede Zuständigkeit kennt, weil die beauftragten Experten den Ablauf koordinieren?

Yvonne Plattes
Unsere Podcasts sollen dabei helfen, die Zusammenhänge zu verstehen. Es gibt natürlich Käufer, die grundsätzlich alles richtig machen und einen Anwalt oder Steuerberater beauftragen. Trotzdem kann es passieren, dass die gewählte Person nicht gut arbeitet oder nicht über die erforderliche Erfahrung verfügt. Der Käufer hat dann zwar grundsätzlich richtig gehandelt, aber möglicherweise nicht den passenden Berater ausgewählt. Deshalb ist auch der eigene gesunde Menschenverstand wichtig. Ich sollte selbst verstehen wollen, was ich kaufe, und nicht blauäugig sagen: „Es ist nur eine Ferienimmobilie. Ich bin ohnehin nur gelegentlich hier." Das kann man so handhaben, aber dann sollte man sich hinterher nicht über Probleme wundern. Ich gehe lieber den Weg, vorher genau wissen zu wollen, was ich kaufe. Wenn die Barbecue-Terrasse illegal ist oder etwas nicht so stimmig ist wie erhofft, kenne ich das Problem vor dem Kauf. Dann kann ich entscheiden: Stört mich das? Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn ich trotzdem kaufe? Was muss ich tun, um den Zustand zu legalisieren oder zu beheben? Irgendwann bist du selbst wieder Verkäufer und musst dich sonst mit denselben Problemen auseinandersetzen. Deshalb gilt nicht nur: Augen auf bei der Berufswahl, sondern auch Augen auf bei der Wahl der Berater und Partner.

Yvonne Plattes
Lass dich beraten und prüfe, ob die Erklärungen logisch und nachvollziehbar klingen. Was muss getan werden und was können die Berater tatsächlich für dich leisten?

Timothea Imionidou
Aufklärung ist also das A und O.

Yvonne Plattes
Ja, genau.

Timothea Imionidou
Damit man selbst gut Bescheid weiß.

Yvonne Plattes
Man kann sich auch einlesen. Es gibt viele Informationen, die man selbst nachlesen kann. Man sollte sich allerdings nicht ausschließlich auf Aussagen von ChatGPT verlassen. Auch solche Informationen müssen sorgfältig geprüft und fachlich eingeordnet werden. Schau dir die handelnden Personen genau an. Im Internet findest du beispielsweise Bewertungen. Vielleicht kennst du auch Freunde, die bereits eine Immobilie gekauft haben und Empfehlungen aussprechen können.

Timothea Imionidou
Empfehlungen sind immer hilfreich.

Yvonne Plattes
Wenn dir jemand empfohlen wurde, vereinbare ein Erstberatungsgespräch und höre dir an, was die Person zu sagen hat. Danach gehst du meist mit einem bestimmten Gefühl aus dem Gespräch. Am Ende bist du selbst der Chef im Ring und entscheidest. Wenn der Anwalt dir empfiehlt, bestimmte Prüfungen durchführen zu lassen, und das für dich nicht logisch klingt oder du glaubst, aufgrund eigener Fachkenntnisse keinen Sachverständigen zu benötigen, ist das deine Entscheidung. Niemand kann dich dazu zwingen. Du entscheidest, was du möchtest. Der Berater kann dir erklären, welche Vorteile eine bestimmte Prüfung hat und welche Risiken entstehen, wenn du darauf verzichtest. Er kann dir auch erläutern, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Die endgültige Entscheidung triffst aber immer du. Genau das ist wichtig.

Timothea Imionidou
Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, Yvonne.

Yvonne Plattes
Danke, Timo.

Timothea Imionidou
Und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören und Zusehen. Alle weiteren Informationen finden Sie auf willipedia.plattes.net.

Autorin: Timothea Imionidou / Mitarbeit: C. Schittelkopp

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